Change X
In einem Unternehmen trat das Problem auf, dass ein großer Teil fehlerhafter Produkte produziert wurde, die aufwendig nachbearbeitet werden mussten. Sie stammten, wie man herausfand, alle von einer einzigen Maschine, die wenige Wochen vorher in Betrieb genommen worden war. Es stellte sich heraus, dass die Nachbearbeitungsabteilung das längst wusste: "Als wir die Mitarbeiter fragten, ob sie den Ingenieuren davon berichtet hätten, antworteten sie erstaunt: Nein, das ist doch nicht Teil unserer Arbeit.'" Typisch Industriezeitalter. Niemand könnte es sich heute noch leisten, so mit Informationen umzugehen wie die Mitarbeiter in Kuppingers und Woywodes Beispiel. Heute wird ganz anders gearbeitet: Die Hierarchien sind flacher geworden, das Prinzip der Arbeitsteilung bröckelt, Projekte werden von Teams bearbeitet und viel mehr Menschen sind in Entscheidungen einbezogen. Doch die Art, wie im Unternehmen mit Wissen umgegangen wird, passt sich diesen Veränderungen vergleichsweise langsam an. Damit der horizontale und vertikale Wissenstransfer klappt, muss die Firma nicht nur eine geeignete technische Infrastruktur zur Verfügung stellen, sondern eine neue Unternehmenskultur schaffen. "Kultur des Knowledge Sharing", nennen es die Autoren.
Doch daran hapert es bisher. Viele Firmen trauen sich noch nicht so recht, ihre Informationsstruktur dezentraler zu machen, sie befürchten, dass Mitarbeiter an Informationen gelangen, die nicht für sie bestimmt sind. "Weg von der Abschottung", fordern die Autoren. Es lohne sich, den Mitarbeitern mehr Freiräume zu geben und den Informationsfluss an den richtigen Stellen zuzulassen. Richtiges Wissensmanagement könne beispielsweise helfen, den Wissens-Verlust zu begrenzen, wenn ein wichtiger Know-how-Träger die Stelle wechselt. Ein Intranet, das viele Firmen bereits haben, bietet gute Voraussetzungen für eine neue Informationskultur im Unternehmen. Doch ein Intranet allein macht noch kein funktionierendes Wissensmanagement: Oft sind die internen Netze nur entstanden, weil es gerade im Trend lag, so etwas einzurichten, eine echte Strategie steht nicht dahinter. Jeder kennt es: Viel zu oft sind solche Projekte "viel zu früh stehen geblieben" und stellen gerade mal Speisepläne, ISO-9000-Informationen und Unternehmensinformationen in Hochglanzoptik zur Verfügung. Informationen werden weiterhin zentralistisch verwaltet. Wer selbst etwas ins Intranet stellen will muss sich mit komplizierten Uploadprogrammen und Genehmigungsprozeduren herumschlagen. Zu allem Überfluss sind viele Intranets den heutigen Anforderungen nicht mehr gewachsen. Die Autoren weisen den Weg, wie man Wissensmanagementsysteme ins Intranet integriert und seinem Unternehmen eine dezentralere Informationsstruktur gibt. Dabei setzen sie auf ihr "Organisationales IQ-Konzept", einer Weiterentwicklung traditioneller Wissensmanagementkonzepte. Dabei wird weniger die Wissensbasis eines Unternehmens bewertet als die Qualität der Prozesse und Strukturen, die für das Verarbeiten und Sammeln von Wissen wichtig sind. Vom Intranet zum Knowledge Management weist den Weg zu einer neuen "Denke" und gibt gleichzeitig Hilfestellung für die technische Umsetzung - das macht es zu einer gelungenen Mischung aus Sachbuch und Ratgeber. Für die Old Economy sollte es eigentlich Pflichtlektüre sein.
(c) changeX - Online-Magazin für Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft
Kurzbeschreibung
Knowledge Management als IT-Projekt
In einer Zeit des steigenden Angebotes und immer kürzerer Produktlebenszyklen ist Wissen zum elementaren Produktionsfaktor geworden. Knowledge- oder Wissenensmanagement - der schnelle Zugriff auf die richtigen Informationen - ist heute für ein Unternehmen überlebenswichtig.
Führungskräfte und Mitarbeiter geben Informationen preis, können aber auch aktiv auf Informationen zugreifen. Informationen sind demnach kein Machtpotential, sondern Erfolgsfaktor. Allerdings funktioniert diese Art von Management noch bei weitem nicht in jeder Führungs- und Unternehmenskultur.
Technologisch haben viele Unternehmen mit Intranets den ersten großen Schritt in Richtung Wissensmanagement bereits getan. Intranets ermöglichen den unternehmensweiten Zugang zu Informationen. Wichtige Werkzeuge wie Dokumentmanagement und Data Warehouse-Schnittstellen sind jedoch noch in Entwicklung oder nu r als Einzellösung verfügbar.
Der Autor beschreibt umfassend die Begriffe, Herausforderungen und Wege zum Knowledge Management. Er analysiert sowohl die methodischen und organisatorischen als auch die technischen Aspekte und veranschaulicht seine Aussagen mit Fallbeispielen aus der Praxis.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.