Selten war ich so von einem Musical begeistert. Allein die Idee, die verschiedensten Märchen auf die groteskeste Art zu vermixen, finde ich ja schon interessant. Das ganze aber mit absolut bösem, schwarzem Humor und hervorragenden Schauspielern zu versehen, ist ein Meisterwerk.
Die Musik ist für ein Sondheim-Musical erstaunlich melodisch. Allein die Spielzeit von 151 Minuten empfiehlt, eine Pause zwischen dem ersten und zweiten Akt zu machen. Die Handlung:
Im Märchenreich leben die verschiedensten Märchengestalten nebeneinander her, jeder in seinem eigenen Handlungsstrang und am Anfang unglücklich mit seiner Lebenssituation:
Cinderella will zum Ball im Schloß, Jack (der mit der Bohnenranke) will seine geliebte Kuh nicht verkaufen und ein kinderloser Bäcker mit seiner Frau (musicaleigenes Märchen) wünscht sich nichts sehnlicher, als ein Baby. Die Hexe von nebenan erzählt ihm, daß ein Fluch daran Schuld ist, der auf seiner ganzen Familie lastet. Um diesen Fluch aufzuheben, muß der Bäcker der Hexe diverse Zutaten für einen Zaubertrank bringen: Einen Pantoffel aus purem Gold (Cinderella), eine Kuh, so weiß wie Schnee (von Jack), einen Umhang, so rot wie Blut (finden wir bei Rotkäppchen) und Haarbüschel, so gelb wie Mais (vermuten wir es mal bei Rapunzel). Alle Märchengestalten machen sich also aus den verschiedensten Gründen auf in Wald.
Die Handlungsstränge verwirren und entwirren sich im ersten Akt, so daß am Ende alle glücklich und zufrieden sind bis an ihr seliges Ende... oder doch zumindest bis zum zweiten Akt.
Cinderella langweilt sich im Schloß, weil ihr Prinzgemahl (im übrigen nicht besonders treu und monogam veranlagt) sich in den Wäldern vergnügt. Jack sehnt sich in sein Riesenreich oberhalb der Bohnenranke zurück und der Bäcker, seine Frau und das neugeborene Baby sind in ihrem kleinen Haus platzmäßig mehr als ausgelastet. Aber der große Ärger kommt erst noch.
Am Ende des ersten Aktes hat Jack einen bösen Riesen erschlagen und eine Zauberharfe und ein Zauberhuhn gestolen. Jetzt, im zweiten Akt haben wir es mit der Frau des Riesen zu tun, die wütend durch das Märchenreich stampft, dabei Häuser und Märchenwesen gleichermaßen unbeindruckt plattwalzt und nach dem Mörder ihres Mannes sucht. Die Märchengestalten müssen erkennen, daß sie nur eine Chance haben, wenn sie zusammenhalten und ihre Taten mit Bedacht und verantwortungsvoll für das Wohl ihrer Mit-gestalteten durchführen.
Obwohl der zweite Akt etwas nachdenklicher stimmt, ist es ein sehr heiteres Musical, das immer wieder auf seinen (lehrenden) Märchencharakter zurückkommt.
Die Schauspieler überzeugen sowohl stimmlich, als auch schauspielerisch voll und ganz. Der Klang der Aufnahme ist auch mit bloßem Stereo räumlich genug und klar und sauber. Meine DVD verfügt im übrigen - im Gegensatz zur Erstausgabe - über Untertitel in allen erdenklichen Sprachen, auch deutsch und englisch. Aber das gesprochene und gesungene Englisch ist in den meisten Fällen so deutlich und einfach zu verstehen, daß man durchaus auch ohne die Untertitel auskommt. Es gibt leider keine weiteren Extras, wie etwa Hintergrundinfos zur Cast oder dem Musical, geschweige denn ein "Making of". Durch die Gesamtleistung dieses Musicals wird man aber voll und ganz entschädigt.
Ich kann die DVD nur empfehlen und daher bewerte ich sie hier auch mit vollen fünf Sternen.