Nur 3 Jahre nach dem grandiosen 'Wake The Sleeper' legen Uriah Heep mit 'Into The Wild' ihr neues Werk vor.
Als alter Heep Fan wird man da schon etwas nervös - kann der hohe Level von WTS gehalten werden ?.
Die Antwort ist hier eindeutig - der hohe Level des Vorgängers wurde nicht nur gehalten, sondern (wie ich nach über 15 Hördurchgängen feststelle) getoppt !!.
Zum vollen Genuss empfehle ich - unbedingt die Pegel hoch ziehen und dann hören.
Die Rock-Rentner haben Spass an ihrer Arbeit ' das hört und spürt man.
Produzent Mike Paxman steht auch diesmal für einen knackigen, fetten und warmen Sound.
Mit dem Opener 'Nail on the head' steht eine potenzielle Hitsingle am Anfang der CD (bei irgendwelchen In-Bands würde es sicherlich mit den Charts klappen ' hier wohl leider nicht).
Darauf folgt 'I can see you' ' eine schnelle Rocknummer mit sehr schönem Refrain (alte Heep Fans werden feststellen das dieses Stück stark an 'So tired' von 1974 erinnert).
Der Titelsong 'Into The Wild' glänzt mit starken Rhythmen und ebenso klasse Refrain.
'Money Talk' groovt mit glänzender Rhythmus - Arbeit auf deren Basis sich Gitarre & Hammond austoben dürfen, über allem tront Bernie's röhrende Stimme.
Hier gehen Heep stilistisch neue Wege und machen das hervorragend.
Von der Machart hätte ich auf Trevor Bolder als Songschreiber getippt, es ist aber Phil Lanzon - Hut ab.
Bis hierher wurde das Grinsen im Gesicht schon immer breiter und nun kommt auch noch eine Hymne - eine Über-Hymne;
'Trail of Diamonds' übertrifft alle Erwartungen und zu dem Grinsen gesellt sich schlagartig noch die Gänsehaut.
Eine Mini Rockoper in 4 Akten mit allen Heep- Zutaten (traumhafter Gesang, großartige Melodie, perfekt instrumentiert). Das Stück muss sich hinter keinem der alten Klassiker verstecken.
'I'm ready' ist eine weitere echte Heep Nummer mit allen wichtigen Zutaten wie fette Hammond, zupackende Gitarenriffs und klasse Gesang.
Für 'Believe' gilt ähnliches, das Stück überzeugt noch zusätzlich mit den Heep typischen Tempowechseln und macht genauso Spass.
"Lost" ist diesmal die einzige Trevor Bolder Komposition, die von ihm auch selbst gesungen wird. Wie schon bei seinem "Angels walk with you" braucht man hier vielleicht mehrere Durchgänge bis der Titel wirkt.
'Kiss of Freedom' ist die zweite Hymne auf Into The Wild ' die Phil Lanzon im Alleingang geschrieben hat, und doch unverkennbar Uriah Heep mit allen erforderlichen Zutaten ist ' abermals herrliche Melodie ' Hände hoch und mit schunkeln ' und den wunderschönen Schlussteil mit Phil's Hammond Solo geniessen.
Fazit:
Uriah Heep ist hier also noch einmal ein großer Wurf gelungen.
Im Gegensatz zu WTS nimmt sich Mick Box hier etwas zurück, und beschränkt sich mehr auf die Rhythmus-Arbeit, wenngleich seine typischen Solo's natürlich nicht fehlen.
Dem entgegen wird die CD von Phil Lanzon geprägt - nicht nur kompositorisch, sondern seine Hammond ist hier prägnant wie nie. Das tut dem Heep Sound gut.
Phil Lanzon brilliert hier somit als Songwriter & als Keyboarder und hat damit seine bisher großartigste Arbeit für Heep abgeliefert.
Russel Gilbrook muss seine Klasse nicht mehr besonders unter Beweis stellen und glänzt hier dennoch mit seinem geradezu explosivem Drumming.
Trevor Bolder spielt diesmal einen besonders fetten, pumpenden und wie gewohnt filigranen Bass und trägt damit wesentlich zum exquisiten Heep Sound bei.
Bernie Shaw singt hier seit sein 6. Studio Album für Uriah Heep und ist schon längs über alle gesanglichen Zweifel erhaben. Das Album dokumentiert seine Klasse noch einmal eindrucksvoll.
Uriah Heep haben also tatsächlich auf beeindruckende Art mit 'Into The Wild' ein fulminantes Album vorgelegt.
Mehr geht nicht !!!
In diesem Sinne
Long live Uriah Heep
PS: Wer Zeit und Gelegenheit hat sollte sich unbedingt "Heep on Tour 2011"
gönnen.
Ich durfte am 15.04.11 eines der definitiv besten Heep Konzerte erleben.
2 Stunden Spieldauer, perfekter Sound, Klasse Setlist mit 7 Tracks von ITW
und ... einem Wahnsinns-Drummer !!!.