INTO THE GREAT WIDE YONDER
...kündigt dem Titel nach schon eine fantastische Reise in die Transzendenz und Metaphysik an und hält was es verspricht.
Der erste Track ("The Mash And The Fury") legt den Auftakt imposant fest, entführt in das sich entfaltende Universum des Albums - düster, bedrohlich, kräftig. Trentemøller legt damit aber auch schon fast den Klimax des Albums an den Anfang, denn dieser Titel legt so viel Energie vor, sodass er den meisten der nachfolgenden Stücke eher einen entspannenden Chill-Out-Charakter verleiht. Dennoch verliert sich dieser Eindruck immer wieder in eine dunkle Ungewissheit musikalischer Variabilität - und genau diese Unberechenbarkeit hält die Spannung über das gesamte Album dann doch aufrecht.
Die oft ausgesprochene Pop-Natur liegt demnach wohl eher in den Stücken mit Vocal-Einlagen verborgen, obwohl "Even Though You're With Another Girl" fast einsam bleibt mit der Idee Pop. Daher kann von Radiotauglichkeit (nimmt man dies als Teil der Definition Pop) nicht wirklich die Rede sein. Zu eindringlich düster und eingefasst in die Gesamtpräsentation ist jeder Titel, was doch eher für ein Konzept spricht. Auch besagte Ausflüge wie der in das DICK DALE'sche Reich mit "Silver Surfer, Ghost Rider Go!!!" werden durch andere Tracks des Albums vorbereitet ("Sycamore Feeling") oder weitergedacht ("Neverglade").
Der auch auf dieses Album angewandte Begriff Emo-Techno ist folglich ebenso völlig deplatziert, dieses Genre wird von VNV-Nation o.a. bedient, aber keinesfalls von Trentemøller. Er definiert vielmehr eine träumerische Variante von Emotionalität, die aber immer vorwiegend kühl bleibt und Melancholie nicht wirklich zulässt.
Abschließend: Der oft gehörte Vergleich zugunsten des Debüt-Albums THE LAST RESORT kann nicht gelten, zu groß ist die augenscheinliche Weiterentwicklung der ursprünglichen Ideen. Gerade das vergleichende Hören beider Alben macht den Sprung in eine neue musikalische Dimension deutlich, die man leicht obschon der positiven Erinnerungen an die erste Platte naiv verneinen möchte. Dieses Album ist tiefergehend und weitreichender als jeder Vorbote, bietet aber vor allem neue Perspektiven und damit eine fantastische Odyssee für jeden offenen Zuhörer!
Weitere Empfehlung bei Gefallen: TRANS AM - THING (Thrill Jockey/Rough Trade, 2010).