Jetzt mal ganz ehrlich: es ist doch musikalisch alles schon da gewesen! Was ist heute noch innovativ? Wo wird nicht von früher geklaut - oder zumindest künstlerisch inspiriert? - Jetzt stehen wir vor dem imaginären musikalischen Gewürzregal und wollen uns aus den bekannten, feinen Zutaten etwas Leckeres kochen. Hmmm, mal schauen:
Wessen Lieblingszutaten 1.) ROCK, 2.) ELECTRONICA und 3.) WAVE sind, der kann sich - wenn er ein guter Koch ist - ein richtig edles Mahl zubereiten. Genau das ist BLOC PARTY mit ihrem dritten Album "Intimacy" gelungen, denn Chefkoch Kele Okereke und seinem Küchenteam ist es gelungen, die genannten Zutaten so perfekt zusammenzumischen, das ein 5-Sterne-Menü draus geworden ist.
Es gibt harte elektronische Beats (Ares, Mercury), wunderschöne Balladen (Biko, Signs), straighten Rock (Halo, One Month Off), Wave-Einflüsse, die mit INTERPOL oder EDITORS vergleichbar sind (Talons, Ion Sqare, Letter To My Son) und alles mehr oder weniger gleichzeitig gut miteinander vermischt. Und es klingt wirklich wie aus einem Guss, und nicht wie eine Aneinanderreihung von 13 Songs. Allein "Zephyrus" fällt für meinen Geschmack etwas ab (hat Timbaland diesen Song produziert?).
Wer ein zweites "Silent Alarm" erwartet hat, wird allerdings enttäuscht, denn mit dem Post-Punk des Debüt-Albums hat "Intimacy" fast nichts mehr gemeinsam. Dessen trockener, druckvoller und schnörkelloser Sound ist viel Elektronik und Spielereien gewichen, bei dem sogar die bratzenden E-Gitarren teilweise gesamplet klingen. Aber wer braucht schon ein "Silent Alarm Part II"? Vielleicht ist "Intimacy" ja doch innovativ - auf jeden Fall eine geschmackvolle Weiterentwicklung dieser Band. Den "Spirit" ihrer Musik haben sie jedenfalls nicht verloren: diese wild pulsierende Energie, die auch schon "Silent Alarm" ausgezeichnet hatte.
A propos: unbedingt das 13-Track-Album zulegen! Ohne "Talons", "Letter To My Son" und "Your Visits Are Getting Shorter" verpasst der Musikliebhaber etwas!