Joey hat kein Gefühl für Richtungen. Ständig verwechselt er links und rechts und er weiß nie, wo es langgeht. Da verwundert es auch weder ihn noch seine Klassenkameraden, als er sich bei einem Orientierungsspiel verläuft. Doch als der Junge für ein paar Minuten alleine unterwegs war, hat sich plötzlich alles verändern - erst nur unmerklich, dann immer intensiver. Er realisiert, dass er nicht mehr in der gleichen Welt ist, die er als seine kannte. Selbst seine Wohnung sieht anders aus und seine Mutter erkennt ihn nicht. Doch es soll noch schlimmer kommen, denn Joey trifft auf einen seltsam maskierten Mann, der sich Jay nennt und ihm unheimlich vorkommt. Doch er beschützt ihn vor zwei gefährlichen Wesen, die ihn verfolgen. Auf seiner Flucht gerät Joey jedoch in die Fänge einer Frau, die seinen Geist so stark manipuliert, dass er alles tut, was sie ihm sagt. Er findet sich auf einem fliegenden Schiff wieder und wird von einem quallenartigen, doch menschlichen, Wesen und einem Mann mit unendlich vielen Tattoos bewacht. Wie froh ist Joey jetzt, als er wieder Jay erblickt, dem es tatsächlich gelingt, den Jungen zu befreien. Doch nun beginnt erst das richtig große Abenteuer, denn Joey erfährt, dass er zwischen den verschiedenen Welten, die sich aus unterschiedlichen Entscheidungen entwickelt haben, springen kann. Und das muss er auch tun, wenn er überleben will.
Neil Gaiman, der vor allen Dingen durch seine Sandman-Comics bekannt geworden ist und Drehbuchautor Michael Reaves haben gemeinsam die Geschichte um "Interworld" entwickelt. Ursprünglich war geplant, die Idee als Film umzusetzen, doch da sich das Projekt nicht realisieren lies, ist die Geschichte nun in Buchform erschienen. Leider merkt man dem Roman an, dass er nicht als solcher geplant war. "Interworld" erzählt an vielen Stellen von Gegenden, die man sich kaum vorstellen kann. Sie werden mit möglichen und unmöglichen Formen, Gerüchen und Gefühlen beschrieben. In Form von herausragenden CGI-Film-Effekten mag das funktionieren, als Buch leider nicht. Da ist eine Welt, die man sich nicht richtig vorstellen kann eher störend.
Die Grundidee, dass es zwei Lager gibt, die um die Herrschaft kämpfen, ist durchaus gut erdacht. Die einen bauen komplett auf Magie, die anderen auf Technik. Die Organisation, bei der Joey schließlich landet, versucht, beides im Gleichgewicht zu halten, um das sogenannte Altiversum zu retten. Doch die Geschichte weiß in keinster Weise zu überzeugen. Man hat nicht mal wirklich das Gefühl eine Geschichte von Neil Gaiman zu lesen, bei dem man von seinen bisherigen Werken sehr hohe Qualität gewohnt ist.
Teile der Erzählung sind großartig, zum Beispiel Joey und die Organisation und ihre Mitglieder, mit denen er kämpft. Leider kann hier nicht zu viel verraten werden, um die Spannung nicht zu nehmen. Auch der Begleiter des Jungen, ein Wesen in Form einer großen Seifenblase, das sich mit Farben verständigt ist originell. Leider ist die Struktur der Geschichte aber so verwirrend, dass die kleinen Lichtblicke den Leser nicht überzeugen können. Was bleibt ist ein verwirrender Eindruck einer Geschichte voller Formen, Farben, Geräuschen und Gerüchen, die man im Kopf nicht wirklich zu einem stimmigen Bild sortieren kann und die mehr verwirren als Spaß machen. "Interworld" ist höchstens für Fans von Neil Gaiman interessant, die eine komplette Sammlung haben wollen, allen anderen kann man spannendere Bücher empfehlen.