Kurzbeschreibung
In einem Hotel in San Francisco hört ein junger Reporter eine unfaßbare Geschichte: Louis, ein Vampir, offenbart ihm die schaurig-grausame Wahrheit seines Lebens nach dem Tode. Er erzählt von Lestat, seinem mörderischen Lehrer und Begleiter, der ihn zu dem machte, was er heute ist, ein menschenmordender Vampir, von der Kindfrau Claudia und ihrer Rebellion gegen die ewige Jugend und von einer blutgetränkten Reise durch die Jahrhunderte, die mit dem heutigen Tag noch nicht zu Ende ist.
Über den Autor
Anne Rice ist mit ihren modernen Schauergeschichten eine der erfolgreichsten Autorinnen der Welt. Sie hat bisher mehr als zwanzig Romane geschrieben und ist auch Cineasten durch ihre Romanvorlage zu dem Film "Interview mit einem Vampir" von Neil Jordan (mit Brad Pitt, 1994) ein Begriff. Ihr Roman "Merrick", im Frühjahr 2001 in New York erschienen, eroberte auf Anhieb Platz 2 der Bestsellerliste von Publishers' Weekly.
Auszug
Ich verstehe sagte der Vampir nachdenklich und ging langsam durch das Zimmer zum Fenster hinüber. Dort blieb er eine Weile stehen. Seine Gestalt zeichnete sich vor dem trüben Licht ab, das von der Divisadero Street hereindrang und ab und zu durch die hellen Scheinwerfer der Autos verstärkt wurde. Der Junge konnte jetzt die Zimmereinrichtung deutlicher erkennen, den runden Eichentisch, die Stühle und ein Waschbecken, das an der Wand hing, mit einem Spiegel darüber. Er setzte seine Aktentasche auf dem Tisch ab und wartete.
»Wieviel Bänder hast du mitgebracht?« fragte der Vampir und wandte den Kopf, so daß der Junge sein Profil sehen konnte. »Genug für die Geschichte eines Lebens?«
»Bestimmt, wenn es ein gutes Leben ist. Manchmal interviewe ich drei bis vier Leute an einem Abend, wenn ich Glück habe. Aber es muß eine gute Geschichte sein. Das ist nur recht und billig, nicht wahr?« »Bewundernswert recht und billig«, antwortete der Vampir.
»Dann will ich dir gern meine Lebensgeschichte erzählen. Ich werde es sehr gern tun.«
»Großartig«, sagte der junge. Und er nahm schnell das kleine Tonbandgerät aus der Tasche und prüfte die Kassette und die Batterien. »Ich bin wirklich gespannt zu hören, warum Sie das glauben, warum Sie.« »Nein«, unterbrach ihn der Vampir. »So können wir nicht beginnen. Ist dein Apparat in Ordnung?«
»Ja«, sagte der Junge.
»Dann setz dich. Ich will die Deckenbeleuchtung einschalten.«
»Ich dachte, Vampire mögen kein Licht«, sagte der Junge. »Wenn man bedenkt, daß die Dunkelheit zur Atmosphäre beiträgt ... « Doch dann schwieg er. Der Vampir beobachtete ihn, den Rücken zum Fenster. Das Gesicht war jetzt nicht zu erkennen, und etwas an der ruhigen Gestalt verwirrte den Jungen. Er wollte sprechen, unterließ es jedoch.