Meine Erwartungshaltung war falsch. Habe ich von Jürgen Domian doch einige Bücher, die sich mit seiner Radio-/Fernseh-Interviewsendung "Domian" befassen, gelesen und im Regal stehen. Auch bei "Interview mit dem Tod" erwartete ich - als ich das Buch vorbestellte -, dass es sich inhaltlich hauptsächlich mit den Anruferinnen und Anrufern seiner Sendung befasst.
Doch weit gefehlt. "Interview mit dem Tod" ist genau das: Ein fiktives, teils philosophisches, teils sehr lebendiges Interview zwischen Domian und dem Tod.
Das dünne Buch umfasst gerade mal 174 Seiten, die Interviewpassagen sind typografisch gut gestaltet, Domians Fragen sind in kursiver Schrift, die Antworten eingerückt im normalen Schriftschnitt abgedruckt. Unterbrochen werden diese Gesprächspassagen durch sehr persönliche Einschübe Domians. So berichtet er, dass er eigentlich immer schon Angst vor dem Tod hat(te), sich erst in den christlichen Glauben flüchtete, wie er diesen wieder verlor, sich dann Philosophen wie Immanuel Kant oder Ludwig Feuerbach zuwand und auch über die ersten Erfahrungen mit dem Tod in Domians Umfeld. Sei es der Suizid einer 19-jährigen Freundin oder der Tod des Onkels...
Konträr zum Thema Tod wird Domian sehr lebendig, wenn er seine Erfahrungen und Gedanken zur Palliativmedizin und Hospizen niederschreibt, aber auch seine Überlegungen zu aktiver Sterbehilfe und Sterbebegleitung mitteilt. (Diese sind regelmäßigen Hörern seiner Sendung zwar nicht neu, aber argumentativ noch deutlicher untermauert, als das in den 10-minütigen Gesprächen während der Sendung möglich ist.)
Erstaunlich, wie nahe Jürgen Domian den Leser an sich selbst und Persönliches heranlässt. Der Bericht vom Tod seines Vaters (der auf einer Palliativstation im Jahr 2006 seinem Krebsleiden erlag) ist respektvoll und emotional bewegend geschrieben, und gibt den oft philosophischen Interview-Abschnitten "ein Gesicht".
Alles in allem von mir volle fünf Sterne für das durchweg interessante fiktive Interview mit dem Tod - trotz und gerade wegen meiner falschen Erwartungshaltung an das Buch. Allenfalls der überschaubare Seitenumfang und der dafür doch recht hohe Buchpreis wecken in mir leise Kritik. Diese geht jedoch nicht an den Autoren sondern an den Verlag Gütersloher Verlagshaus (ein Imprint von Random House). Das Buch wurde in Deutschland gedruckt und weiterverarbeitet.