Trotz ihrer außergewöhnlichen Fähigkeiten erlitten viele Jazzmusiker ein vorzeitiges und (man muss das leider so sagen) zum Teil elendiges Ende. Eric Dolphy war gerade einmal 36 Jahre, als er an einem zu spät diagnostizierten Diabetes starb. Albert Ayler, der große Charismatiker, war 34, als seine Leiche an das Ufer des East River in Brooklyn gespült wurde. Charlie Parker brachte es auf 35 Jahre, als er in der Suite der Baroness Pannonica De Koenigswarter zusammensackte. Als Clifford Brown den Unfalltod starb, zählte er gerade einmal 25 Lenze. Dass ihnen der Kampf gegen die eigene musikalische Vergangenheit, den so Leute wie Miles Davis und Sonny Rollins bis ins hohe Alter führen mussten, erspart blieb, ist da nur ein schwacher Trost. Wenn solche außergewöhnlichen Talente viel zu früh aus dem Leben scheiden, stellt sich natürlich immer die Frage, was sie ihrem Publikum und ihren Fans noch an Schätzen hätten schenken können. Auch John Coltranes musikalische Entwicklung fand zwei Monate vor seinem 41. Geburtstag im Jahr 1967 ein abruptes und viel zu frühes Ende. Obwohl John Coltrane sein Arbeitspensum, bedingt durch die Erschöpfung von seiner tödlichen Krankheit, inzwischen deutlich reduzieren musste, begab er sich im Februar 1967 auf Interstellar Space noch einmal auf die fanatische Suche nach neuen Klangwelten. Der unentdeckte Kosmos als musikalisches Thema ist wie gemacht für jemanden wie Coltrane, der sich zeitlebens mit Metaphysik und spirituellen Dingen beschäftigte. Eingespielt wurde diese aus 4 Sätzen bestehende Suite in Duettbesetzung mit Rashied Ali an den Drums, der mit seinen raffinierten Figuren ein ideales Pendant zu Tranes dominierenden Klangkaskaden war. Die geheimnisvolle und kryptische Aura, die das Werk ausströmt, ist Ausdruck der Exploration neuer musikalischer Ebenen des ruhelosen Wanderers Coltrane, der in noch unberührte melodische Regionen vordringt und diesem musikalischen Neuland mit seinen ekstatisch propagierten Free-Phrasen eine scharf gezeichnete Kontur gibt. Ebenso wie die vier akustisch beschriebenen Planeten auf ihrem Orbit lässt sich auch Trane von dem dichten Rhythmusgeflecht und den nervös wütenden Drum-Mustern von Rashied Ali nicht aus der Bahn werfen. Oberflächlich zugehört könnte man zu dem Schluss kommen, dass beide hier ohne funktionsharmonische Bezugspunkte gegeneinander spielen. Doch bei tieferem Eindringen in die Musik entdeckt man eine innere Kraft des Klangkonstruktes, die das Spiel beider Duettpartner wie eine imaginäre Hand zusammenhält und im Gefühl für Tempo und Zeit ihren Ursprung hat. So als ob Coltrane seinen Partner mit den atemzugähnlichen Intonationen seines Saxophons testet und Ali diese oralen Provokationen mit virtuosen und dynamischen Klangfarben erwidert. Die Improvisationen dieses Duetts entfalten eine Energie, die an Intensität und Komplexität den gewohnten Konzertjazz durchaus in den Schatten stellt. Diese Art des Free-Jazz war selbst für viele Musiker aus Coltranes Umfeld schwer nachvollziehbar, sodass schon einige Zeit vor dieser Aufnahme Musiker wie Elvin Jones und Pianist McCoy Tyner freiwillig aus Coltranes Band ausstiegen. Coltrane nahm nach Interstellar Space noch sein musikalisches Vermächtnis Expression auf, bevor er am 17. Juli 1967 an Leberkrebs starb.
Zu den vier Originalstücken des Albums (Mars, Venus, Jupiter und Saturn) sind auf dieser CD noch Leo und Jupiter Variation als Bonustracks vorhanden. Beiliegend ist ein 13-seitiges Booklet.