Es ist natürlich interessant, ein gelesenes Werk
gedanklich Revue passieren zu lassen, noch dazu
aus einem anderen Blickwinkel. Das gibt immer neue
Anregungen und Perspektiven, das macht in meinen
Augen Literatur erst zu Kunst. Damit ist die Liste
der Positiva dieses Büchleins meiner Meinung nach
auch schon zu Ende.
Kritik: Wenn sich jemand die respektable Mühe macht, ein
Buch über ein Stück Weltliteratur herauszubringen, erwarte
ich mir schon, dass nicht wesentliche Themen bei der
Interpretation fehlen bzw. andere überrepräsentiert sind.
Das kleine Werk wirkt - zumindest auf mich - alles Andere
als ausgewogen in der Gewichtung der Motive, die Golding
verwendet.
Aber der eigentliche Kritikpunkt ist die Sprache, in
der diese Interpretationshilfe abgefasst ist. Sie erscheint
mir kalt, hölzern, ja stellenweise "unlesbar". Darf ich als
böser Wiener sagen "typisch deutsch" ? Besonders schade, da
die Zielgruppe ja in erster Linie Schüler sind. Es fehlen
mir Ecken und Kanten, Atmosphäre und Herz.
Auch in dem Bemühen um Objektivität darf (muss ?) man
doch ein gewisses interpretatorisches Wagnis eingehen.
Schon allein um nicht derart farblos rüberzukommen.
Etwas Persönlichkeit zeigen, lieber Autor Ernst Andrecht.