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5.0 von 5 Sternen
Internetpornographie ... und was jeder darüber wissen sollte, 8. September 2008
Wer vor der Erfindung des Internets Pornographie konsumieren wollte war auf einschlägige Videotheken, Kinos und Kioske mit Bückware im Schmuddelviertel angewiesen, die man verschämt und ängstlich betrat, in der Hoffnung, dass jetzt nicht gerade ein Arbeitskollege oder gar Nachbar einen zufällig begegnen würde. Das Internet hat diese Sorge überflüssig gemacht: ein paar Klicks und schon stehen dem geneigten Betrachter kostenpflichtige und kostenlose Angebote in Hülle und Fülle zur Verfügung - auch dem minderjährigen Internet-Nutzer! So können heute bereits Kinder problemlos pornographisches Material konsumieren oder bekommen es geradezu aufgedrängt. Zwar bieten die meisten Suchmaschienen einen so genannten Familienfilter, der vor pornographischen Inhalten schützen soll, der aber auch spielend leicht zu deaktivieren ist (und von neugierigen Kindern und Jugendlichen auch sicher auch deaktiviert wird). Und so ergibt eine Google-Bildersuche ohne Familienfilter mit der Anfrage nach der Figur aus Star Trek: Voyager 'Seven of Nine' bereits auf der ersten Seite pornographisches Material (man sieht einen 'Fake', in dem der Kopf der Darstellerin der Figur einem nackten weiblichen Körper aufgesetzt wurde) und Star Trek und Pornographie trennen eigentlich doch Welten, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.
Schirrmachers Buch Internetpornographie befasst sich mit den Folgen der Internetpornographie auf die Psyche ihres Nutzers. Dabei beschränkt er sich jedoch nicht auf Internetpornographie, vielmehr hat er auch stets die Nutzung der Pornographie auch in Form anderer Medien im Auge, so dass die Internetpornographie eigentlich nur als Aufhänger zur Kritik der Industrie der Pornographie im Allgemeinen und ihre Folgen für den individuellen Nutzer dient.
In dem sehr umfangreichen zweiten Teil seines Bandes 'Psychologische Folgen der Pornographie' schildert Schirrmacher detailliert die Verwerfungsprozesse, die der Konsum von Pornographie mit sich führen kann. So beschreibt er den Konsum von Pornographie als eine Sucht (S. 72 f.), die noch von der Internetpornographie gesteigert wird (S. 73 ff) und in einer Sucht nach Sex münden kann (S. 76). Desweiteren stellt Schirrmacher da, wie Pornographiekonsum die sexuelle Gewaltbereitschaft des Nutzers steigert (S. 81 f.), der Zunahme von Kinderpornographie begünstigt (S. 111 ff.) und überhaupt ein dem Nutzer völlig falsches Bild von Sexualität aufzwingt, welches der Realität gar nicht entsprechen kann. Denn der Partner ist nun einmal nicht, wie von der Pornographie behauptet, immer und überall willig wobei insbesondere ein gefährliches, einseitiges, auf den männlichen Konsumenten zugeschnittenes Geschlechterbild transportiert wird: Was lehrt Pornographie? (...) 6. Frauen müssen immer zu allem bereit sein. (...) 8. Männer sind immer die Bestimmenden, und es hat nach ihren Wünschen zu gehen. (S. 44).
Im vierten Teil seines Buches beschreibt Schirrmacher die christliche Position gegen Pornographie (S. 137) um im abschließenden fünften Teil 47 vernünftige Gründe gegen Pornographie zu benennen, die auch dem Nichtchristen zugänglich sind.
So ist Schirrmachers Buch zwar in einem christlichen Verlag erschienen und von einem bekennenden Christen verfasst worden, doch richtet es sich auch an eine breite, dem Christentum möglicherweise kritisch gegenüber stehende Leserschaft, die sich über die Folgen des Konsums von Pornographie informieren möchte, da Schirrmacher nur selten von einem christlichen Standpunkt argumentiert, vielmehr vor allem psychologische und sozialwissenschaftliche Argumente gegen Pornographie anführt. Der Autor moralisiert nicht, sondern benennt sachlich die negativen Folgen des Konsums von Pornographie auf die Psyche des Nutzers, die er mit der Offenlegung umfangreichen Quellenmaterials empirisch untermauert und belegt: Quellenverzeichnis und Anmerkungsapperat nehmen ein Viertel des Bandes ein!
Schirrmachers Buch Internetpornographie ist somit eine Warnung vor der Wirkung von Pornographie überhaupt, sei das Trägermedium nun das Internet oder andere ohne dabei im Tonfall jemals belehrend, anprangernd oder gar predigend sein zu wollen. Gerade der sachliche Ton des Autors und sein wissenschaftliches Vorgehen hebt den Band über das 'Traktatniveau' vieler anderer Schriften gegen Pornographie aus christlicher Perspektive heraus. Wer sich bündig und doch umfassend über die Folgen der Pornographie informieren möchte, gleich welcher Konfession und Weltanschauung er anhängt, sei an diesen Band verwiesen.
Ralph Fischer
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