Obwohl die weltweite Verbreitung des Internet erst vor wenigen Jahren begonnen hat, ist das World Wide Web (vor allem Dank der Kommunikation per E-Mail) kaum noch aus dem Leben vieler Menschen wegzudenken. Dennoch sind Wirkung und Einfluss dieses relativ jungen Mediums auf verschiedene Aspekte des täglichen Lebens vergleichsweise wenig erforscht. Das umfangreiche Herausgeberwerk macht sich daran diese Lücke zu füllen und präsentiert in 24 Kapiteln den aktuellen Stand der Forschung zum Thema „Internet und Persönlichkeit".
Wenngleich sich das Buch prinzipiell an Leser und Leserinnen mit einem Hintergrund in Psychologie richtet, befasst sich die Mehrheit der Beiträge mit Themen, die auch für Laien von Interesse sind. So gehen die Kapitel in den Abschnitten „Selbstdarstellung und Persönlichkeit im Internet", sowie „Funktionale und dysfunktionale Internetnutzung" vielen spannenden Fragen nach, wie z.B. was Kontaktanzeigen im Internet erfolgreich macht, wie das Internet unser Kommunikationsverhalten gegenüber Freunden und Fremden beeinflusst und verändert, wie es zu übermäßigem, bzw. krankhaftem Internetgebrauch kommt, und welche Ziele Personen verfolgen die sich eine private Homepage zulegen oder häufig mit anderen über das WWW chatten. Ebenso interessant sind die Kapitel im Abschnitt „Persönlichkeitsmerkmale und Formen der Internetnutzung". Sie befassen sich damit, inwieweit schüchterne Menschen lieber per E-Mail kommunizieren, weshalb vergleichsweise wenige Frauen das Internet nutzen, wie bestimmte Persönlichkeitsmerkmale (z.B. Extraversion, hohes Selbstwertgefühl) mit der Verwendung des WWW zusammenhängen, und wie sich Internet, Identität und Persönlichkeit wechselseitig beeinflussen.
Die übrigen zwei Abschnitte („Die Rolle von Persönlichkeitsmerkmalen in der internetbasierten Personalauswahl", sowie „Strategien der differentiell-psychologischen Internetforschung") dürften dagegen eher für Personen relevant sein, die sich aus beruflichen Gründen für die Möglichkeiten und Konsequenzen der Internetnutzung interessieren. So konzentrieren sich mehrere Beiträge auf Aspekte der Personalauswahl und Eignungsmessung per Internet, während sich andere Kapitel verschiedenen Facetten der Internetforschung widmen.
Erfreulich ist, dass nicht nur Beiträge aus dem deutschsprachigen Raum Eingang fanden, sondern dass auch Aufsätze ausländischer Forscher (in deutscher Übersetzung) vertreten sind. Somit deckt das Buch nicht nur ein breites Spektrum an Themen ab, sondern bietet einen ausgezeichneten Querschnitt zum Thema „Internet und Persönlichkeit".
Insgesamt ist das Buch sehr interessant und informativ und hat mich in vielerlei Hinsicht zum Nachdenken angeregt. Da es einen wissenschaftlichen Anspruch verfolgt und sich an einem Fachpublikum orientiert, eignet es sich zwar nicht als Entspannungslektüre, dafür ermöglicht es aber, sich fundiert mit den (positiven wie negativen) Auswirkungen und den Möglichkeiten und Gefahren des Internets auseinander zu setzen. Wer also mehr über das Zusammenspiel von Persönlichkeit und Internet lernen möchte, liegt mit diesem Buch genau richtig.