Das Buch hat, über was es schreibt: Kultur! Wenngleich es bereits eine ganze Reihe an Büchern zu Internationalem bzw. Interkulturellem Marketing gibt, so hebt sich das Fachbuch von Müller/Gelbrich bereits durch seine eingängige, klare 4-teilige Struktur äußerst positiv von den meisten weniger durchschaubar strukturieren Büchern ab: Theoretische Grundlagen, Verhaltensgrundlagen, Strategisches Interkulturelles Marketing und Marketing-Mix.
Doch schon bevor man sich dem ersten Kapitel widmet, zeigt sich, wie gut durchdacht das mit 421 Abbildungen und Tabellen bestens visuell und faktisch untermauerte Fachbuch ist. Das Abkürzungsverzeichnis ist nicht nur ein einfaches alphabetisches Verzeichnis. Stattdessen ist es in drei logische Teile gegliedert: Eine Übersicht mit allgemeinen Abkürzungen wie z.B. ASEAN, ATP und ATTAC, eine Auflistung der Kurzbezeichnungen der Kulturdimensionen von Hofstede (inkl. seines ursprünglichen Fragebogens im Anhang) und die Kurzformen aller relevanten Zeitschriften.
Der erste Teil der theoretischen Grundlagen widmet sich neben den üblichen organisationstheoretischen Kulturstudien von Hofstede & Co. u.a. auch den wertorientierten Ansätzen von Pinto und Hall, dem beziehungsorientierten Ansatz von Douglas und dem soziologischen Ansatz von Inglehart. Damit geht das Buch erfreulicherweise über die üblichen, in fast allen Lehrbüchern betrachteten Ansätze hinaus, was mir besonders gut gefallen hat.
Die Verhaltensgrundlagen werden im zweiten Teil näher betrachtet. Ausgehend vom (Nicht-)Sichtbaren spannen die Autoren den Bogen zur Kommunikation, zur Zeitwahrnehmung und zum Zeitbewusstsein, was das Ganze sehr folgelogisch und damit schlüssig macht. Aus dem einen ergibt sich das andere. So soll ein Lehrbuch sein!
Im dritten Teil erläutern Müller und Gelbrich das Strategische Interkulturelle Marketing. Ausgangspunkt bildet die Gegenüberstellung von Standardisierung und Differenzierung, die im Kontingenzansatz mündet, der den Weg zur Differenzierten Standardisierung weist. Damit sind die Grundlagen für die Ausgestaltung des Marketing-Mix gelegt, der im vierten und letzten Teil ausführlich im Hinblick auf interkulturelle Anforderungen diskutiert wird. Bei der Betrachtung der Markenpolitik beispielsweise wird eingehend auf kulturabhängige Image-Positionierung und internationale Markennamensstrategien eingegangen.
Was für interkulturelles Marketing relevant ist, wird im Fachbuch diskutiert, was interkulturell nicht von Bedeutung ist, bleibt außen vor. Deshalb steht auf den 896 Textseiten auch nur das, was dort wirklich hingehört. Nicht alle Autoren sind derart konsequent, weshalb ich das Buch absolut empfehlens- und lesenswert finde. Gut durchdacht und bestens gelungen!