Einen Sammelband mehrere Autoren legen Dagmar Kumbier und Friedemann Schulz von Thun hier dem Leser vor, der gerade in unserer Zeit der immer staerker vernetzten und globalisierten Welt vielen international Taetigen eine echte Hilfe sein kann. Wiewohl in der letzten Zeit die Bedeutung kultureller Unterschiede in der Kommunikation gelegentlich auch in Frage gestellt wurde (etwa von Fredmund Malik in seinem Buch "Management. Das A und O des Handwerks" oder von Daniel Golman in seinem Buch "Soziale Intelligenz"), gehen die Autoren sehr klar davon aus, das interkulturelle Unterschiede existieren und die adaequate Beruecksichtigung derselben fuer das gelingen menschlicher Kommunikation entscheidend und wichtig ist.
Wovon der Leser am meisten von diesem Buch proftiert, ist die kompakte Darstellung eines "Werkzeugkoffers" der Kommunikation, den Schulz von Thun in seinem dreibaendigen Werk "Miteinander Reden 1-3" ausfuehrlicher dargelegt hat:
Zu diesen Werkzeugen gehoeren erstens das "Kommunikationsquadrat", wo es um Selbstkundgebung versus Apelle einerseits und Sachinhalt versus Beziehung andererseits geht. Zweitens das "Werte- und Entwicklungsquadrat" , drittens das sogenannte "Innere Team", ein Werkzeug das vor allem zur Selbsteflexion anregt, viertens das "Riemann-Thomann Modell, in dem der Aspekt von Dauer versus Wechsel und Naehe versus Distanz andererseits im Mittelpunkt stehen. Und als fuenftes Element des Werkzugkoffers findet der Leser noch das Modell des sogenannten "Teufelskreises" vor. Alles in allem sind hier nicht so sehr neue Konzepte entwickelt aber viele bestehende Theorien wie Watzlawik's Kommunikationsaxiome oder die Theorie der "Self-fulfilling-prophecy" und andere stark kondensiert und einfach anwendbar gemacht.
Nur knappe 30 Seiten umfasst diese ungemein gut geschriebene Einfuehrung in diese Methoden. Ich fand das eine paedagogische Meisterleistung.
Und all diese Werkzeuge werden dann von verschiedenen Autoren in kurzen Beitraegen auf unterschiedliche Kulturen angewendet (Deutschland, Japan, Peru, Vietnam, Mexiko, China, Tuerkei, Italien, Lateinamerika) aber auch anhand voellig unterschiedlicher Situationen (Arbeitswelt, Ehe und Familie, Konflikte mit Jugendlichen, Notfaelle und letztlich Auslandeinsaetzen mit begleitenden Familienangehoerigen) dem Leser sehr praktisch vorgestellt.
Vielleicht ist diese thematische und kulturelle Breite des 350 Seiten umfassenden Bandes eine kleine Schwaeche, denn dadurch leidet ein wenig die Tiefe der einzelnen Themen. Aber dadurch kann das Buch fuer viele Menschen ein Einstiegspunkt in die Thematik interkultureller Kommunikation sein und in der dann gegebenen spezifischen Situation ist ohnehin eine vertiefende Beschaeftigung mit der jeweiligen Kultur erforderlich.
Aus meiner Erfahrung in Laendern Europas, Afrikas, Amerikas und Asiens kann ich dieses Buch nur jedem empfehlen, dem Kommunikation in so unterschiedlichen Kulturen gelingen will. Das ganze Buch ist in einer ausgewogenen Balance aus Theorie und Praxis geschrieben und methodisch-didaktisch bestechen auch die graphischen Darstellungen, die aber nicht nur schoene Grafiken, sondern eben Teil der beschriebene Werkzeuge sind, die darauf warten, vom Leser angewendet zu werden.
Die im Buch enthaltene Metapher, der Leser moege sich in die Rolle einer "Monoploy" Spielfigur hineinversetzen, die ploetzlich in einem Schachspiel die Rolle des "Pferdes" uebernehmen soll, trifft die Sache recht gut. Und in diesem Sinne ist das Buch auch ein toller Beitrag zur Foerderung von mehr Toleranz und gegenseitigem Verstaendnis.