Interessenverbände haben eine Funktion als Mittler zwischen Staat und Gesellschaft. Sie erbringen aber auch Dienstleistungen für Mitglieder und Klienten, übernehmen staatliche Aufgaben in Eigenregie und prägen die politische Kultur. Ihre Zahl in Deutschland ist, seit sie sich erstmals im 19. Jahrhundert etablierten, vor allem seit den 1960er Jahren enorm gestiegen.
In dem einleitenden Beitrag des Sammelbands wird auf die Heterogenität der Interessenverbandsformen, Abgrenzungsschwierigkeiten zu anderen sozialen Organisationsformen sowie auf die Vielfalt an Definitionen von Interesse hingewiesen, die eine umfassende Darstellung des Interessenverbandswesen als auch die Verbandsforschung erschweren. Die Verbandsdichte, die Ausdifferenzierung der politischen Landschaft auf mehreren Ebenen sowie die durch eine zunehmende Mobilität, Bildung, Berufsheterogenität und Individualität gekennzeichnete Gesellschaft erschweren es einzelnen Verbänden, einerseits gleichgerichtete Interessen zu vertreten, diese im Wettbewerb auch durchzusetzen sowie ihre Mitglieder bzw. Klientel langfristig zu binden. Einleitend werden Strategien aufgezeigt, wie Interessenverbände den neuen Herausforderungen strategisch begegnen können.
Neben dem erwähnten sehr umfassenden einleitenden Beitrag wird im ersten Teil des Buches, den Grundlagen, fundiert auf die Geschichte der Interessenverbände in Deutschland eingegangen, das deutsche Verbandssystem mit jenem anderer europäischer Länder verglichen sowie die Aspekte Mobilisierung und Organisation von Interessen als auch die Institutionalisierung der Politikbeteiligung von Verbänden thematisiert. Im zweiten Teil werden Verbändetypen von Gewerkschaften, Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbänden über Ärzteverbände bis hin zu Umweltverbänden detailliert vorgestellt. Dabei wird sowohl auf deren Entwicklung, ihre Organisation und Finanzierung sowie aktuelle Probleme eingegangen. Im dritten Teil wird die Einbindung von Verbänden in gesellschaftliche und politische Prozesse analysiert, indem beispielsweise Kooperationen in Netzwerken oder die Beziehung zwischen Verbänden und Parteien untersucht werden. Im letzten Teil des Buches werden die Handlungsspielräume von Verbänden auf europäischer und kommunaler Ebene dargestellt.
Das Buch begeistert durch eine gleichbleibend hohe Qualität der Beiträge. Besonders positiv hervorzuheben ist, dass in den Beiträgen fokussiert auf die aktuellen Herausforderungen für die Interessenverbände eingegangen wird.