Die Idee, ein Unterstützungsprogramm für Borderline-Patienten interaktiv anzubieten, ist eine bahnbrechende Neuerung! Die CD-Rom legt ihren Schwerpunkt auf
- Hintergrundwissen zur Störung und zu DBT und zu den Übungsbereichen:
- Achtsamkeit,
- Stresstoleranz,
- Umgang mit Gefühlen,
- Zwischenmenschliche Fertigkeiten
- Selbstwert
Das Programm verspricht, dass bei regelmäßiger Übung am Computer, Betroffene ein breiteres Repertoire an angemessenen Verhalten zur Verfügung haben. Unter diesem Gesichtpunkt habe ich das Programm KRITISCH auf seine Benutzungsweise geprüft:
Die technische Umsetzung der Informationen beschränkt sich zum größten Teil auf kurze Texte, nette Cartoons, Schemata und Arbeitblätter. Wer mit dem Programm arbeitet, sieht ununterbrochen ein digitales Buch vor sich: Auf der linken Seite wird der Inhalt des Programms als Liste aufgeführt und es öffnen sich die Überschriften wie bei einem Explorer Unterverzeichnis für Unterverzeichnis. Auf der linken Seite liest man (bzw. kann man zusätzlich auch hören) die einzelnen Aussagen. Die guten Inhalte sind sehr kurzschrittig gehalten, häufig liest man nur einen Satz, nach dem man schon zur nächsten Seite umklicken muss. Das ist für den Benutzer schnell ermüdend. (Vielleicht hätte sich das Programm in seiner Umsetzung an dem Lerntrainer "Lernspaß" für die Grundschule von Terzio (2003) Ideen holen können wie man mit der Buchformgrundlage Inhalte vielfältiger, anschaulicher und übersichtlicher umgesetzen kann.)
Wer mit dem Programm arbeitet, muss aufgrund der schnell eintönig werdenden Schritte ein ausreichendes Maß an Motivation mitbringen. Durch den Inhalt wird sein Durchhaltewillen aber nicht enttäuscht.
Hilfreich wären Angaben zum Umfang der einzelnen Kapitel, da man beim Arbeiten in den sich immer weiter aufsplittenden Unterkapitel leicht den Überblick verliert und man sich ratlos fragt, wie weit man schon gekommen ist.
Am Ende jedes Abschnittes arbeitet der Trainer mit Theoriefragen, die in sich durchnummeriert sind. Für richtige Antworten bekommt man Punkte, die man dann für Bilder, Musik, Geschichten einlösen kann. Eine gute Idee, aber das zu erreichende Maß an Punkten (mind. 30) steht in keinem motivierenden Verhältnis zur winkenden "Belohnung".
Der Skillstrainer stellt theoretisches Wissen (zugegebenermaßen gute Inhalte) in den Vordergrund. Man kann sich mit dem Programm stundenlang theoretische Kenntnisse aneignen und Punkte für sein Wissen erhalten. In Bezug auf Skillstraining muss der Betroffene seine Kenntnisse aber weiterhin in der Alltagspraxis einüben. Das Versprechen des Programms als Skillstrainer mag nach intensivem Studium am PC im Ergebnis trotz der gut gemeinten Ideen im Abschnitt Skills direkt enttäuschend wirken. Hilfreich sind bei der eigenen Arbeit aber sicher auszudruckende Arbeitsblätter.
Es lohnt sich, das Programm unter dem Gesichtspunkt einer Sammlung in Ruhe zu durchforsten. Unter Anspannung ist die Bedienungsart ggf. problematisch. Auch die unerwartet zugefügten Spiele z.B. Tetris nerven in Bild und Ton ziemlich. Ebenso ist für die Installation ausreichend Zeit einzuplanen, dauert etwas!
Fazit: Die Textinhalte sind kommentarlos sehr gut und hilfreich!! Die zugrundeliegende Idee des erweiterten Medieneinsatzes verdient große Anerkennung. Es ist dem Programm zu wünschen, dass es Breitenwirkung findet und bei Neuauflage eine technische Weiterentwicklung in seiner Benutzungsweise erfährt, damit der Grundsatz des Trainings von Skills für Betroffene effektiver wird.