In disem Buch beschreibt Goffmann das alltägliche Schauspiel menschlicher Kommunikation, die Rituale und Regeln der Interaktion. Es ist die logische Fortsetzung des eher einführenden und populärwissenschaftlichen "Wir alle spielen Theater". Während im einen Buch der Blick auf das oft unbewusste Schauspiel menschlichen Gruppenverhaltens gelenkt wird, kommt Interaktionsrituale zur Sache und beschreibt detailliert und minutiös wie Image oder Status innerhalb von Gruppen entsteht, gehalten oder verändert wird.
Das Buch ist sehr dicht geschrieben und liest sich nicht einfach. Als Ratgeber für den täglichen Gebrauch ist es vielleicht zu komplex, zudem ist es kein psychologisches Buch sondern ein soziologisches- damit will ich sagen, wer sich handliche Tipps für den sozialen Aufstieg erhofft, in der Form eines amerikanischen "10 Tipps die ihr Image verbessern" ist grundfalsch. Was man hier bekommt ist eine lucide Beschreibung menschlichen Verhaltens in Gruppen, die Schlüsse für das eigene Leben bleiben dem Leser überlassen.
Für diejenigen die Zeit und Mühe nicht scheuen, sich in das Thema und das Buch einzuarbeiten bietet sich hier ein faszinierendes Themenfeld und ein schnell, genau und dicht formulierender Autor. Wer es gerne vorgekaut und simpel haben will, kauft besser etwas anderes.
Wer Interaktionsrituale gelesen hat, für den ist aus meiner Sicht eine gute weiterführende Quelle "Stigma" vom selben Autor. Darin geht es um die gesellschaftliche Konstruktion von Ungleichheit.