Ich habe endlich das komplette Buch durch und muss sagen, dass es viel zu langatmig ist. Häufig reden die Autoren viel über ein Thema das intuitiv sowieso schon klar ist. Z.B. wird auf Seite 401 geschwafelt was ein "Artefakt" bei "Activity Theory" ist und dann schweifen die Autoren fast ab, dass beispielsweise ein Löffel für ein Baby zu einem Werkzeug werden kann und für eine Maus nicht. Fast jedes Kapitel beginnt leider ein wenig langweilig und zu langatmig (kleiner Aufsatz darüber wozu Methode X gut ist) und könnte anstelle eines langen Texts im Wesentlichen auch zu einer Liste von Stichpunkten reduziert werden. Da keine starre Reihenfolge der Kapitel vorgegeben wird, versucht jedes Kapitel möglichst unabhängig von den anderen zu sein und es kommt zu Wiederholungen, wenn man es von vorn bis hinten durchliest. Einmal ist mir aufgefallen, dass eine ganze Passage direkt kopiert wurde. Die Autoren sollten die Informationen im Buch auf jeden Fall kompakter darstellen und vielleicht die Kapitel stärker aufeinander aufbauen. Für mich war es kein Problem im Notfall auch zurückzublättern.
Viel nützlicher sind hier die zahlreichen Beispiele und immer zwischendurch auftauchenden kurzen Aufgaben, die beim aktuellen Thema zum Mitdenken animieren, was ich wirklich toll für ein Lehrbuch finde und für mich viel besser funktioniert hat als die Aufgaben am Ende des Kapitels, die eher als Wiederholung gedacht sind. Jedoch glaube ich, dass ich diese als Nachbearbeitung des Buchs doch verwenden werde.
Die Interviews am Ende fast jeden Kapitels sind größtenteils sehr interessant für mich gewesen, da sie das Wissen viel lebhafter vermitteln und erklären welche Methoden heutzutage tatsächlich angewendet werden (manchmal verwunderte es mich auch, da einige Methoden sehr künstlich und bürokratisch erscheinen).
Auch gibt es immer wieder Beispiele aus dem Alltag. Einzelne Websites und Produkte werden vorgestellt und es wird erklärt mit welchen Methoden diese entwickelt oder verbessert wurden. Dies trug einen wesentlichen Teil dazu bei, dass man motiviert blieb und die Informationen besser im Kopf behält. Sogar Projektmanagement-Prozesse wie Scrum wurden kurz vorgestellt und in Box 9.6 (S. 455ff) mit einem Beispiel der Firma Alias (Autodesk) beschrieben, was mich zu weiteren Recherchen und einer kurzen Email-Unterhaltung mit der Firma animiert hat.
Einige Themen werden leider teilweise zu kurz angeschnitten. Bei GOMS-KLM wurde im letzten Kapitel nicht richtig erklärt wo die mentale Vorbereitung eingefügt werden soll. Es wurde nur gesagt, dass dies oft intuitiv klar ist, aber hin und wieder schwer zu entscheiden sein kann. Dass es eine Regelliste als Anhaltspunkt dafür gibt (wie z.B. bei "The Humane Interface" von Raskin), wurde leider gar nicht erwähnt.
Fazit: Mit ein paar Kürzungen hätte mich das Buch richtig überzeugt. Die eigentlichen Methoden werden meistens detailliert erklärt, um eine Vorstellung vom Thema zu bekommen und den Rest in der Praxis zu ergänzen. Für mich hat sich der Kauf in jedem Fall gelohnt, da dieses Buch im Nachhinein auch wunderbar als Nachschlagewerk dienen kann und nicht bloß eine Ansammlung von Meinungen der Autoren ist, sondern wissenschaftliche Methoden und Fakten vermittelt.