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Konsequent setzt auch Gerold Riempp mit seinem Buch „Integrierte Wissensmanagement-Systeme" genau an dieser Stelle an. Bei ihm sind die unternehmensindividuellen Geschäftsprozesse der Ansatzpunkt von Wissensmanagementinitiativen. Nachdem diese in Unternehmen mit Mess- und Führungsgrössen versehen sind, ist der Erfolg oder Misserfolg von Wissensmanagement (ceteris paribus) auch nachweisbar. Soviel zu Bewährtem.
Neu ist der aus der wissenschaftlichen Literatur und den praktischen Erfahrungen hergeleitete Vorschlag des Autors, die Verbesserung von Prozessen durch Wissensmanagement in vier eigenständigen, jedoch integrierbaren Handlungsfeldern (so genannten Säulen) vorzunehmen. Für die Säulen „Inhalt", „Kompetenz", „Zusammenarbeit" und „Struktur" stellt der Autor ausführlich die jeweiligen strategischen Fragestellungen dar, einschliesslich der notwendigen (Unterstützungs-)Prozesse und der kommerziell verfügbaren Softwaresysteme.
Bemerkenswert ist hierbei, dass Riempp diese vier Säulen in ein Gesamtarchitekturkonzept zu integrieren weiss. Unternehmen haben bei der Anwendung des von ihm vorgeschlagenen Konzepts dadurch die Möglichkeit, mit einer Säule zu starten, ohne den Weg und die spätere Integration anderer Säulen zu verbauen. Das Buch enthält dazu zahlreiche Beispiele aus der praktischen Tätigkeit des Autors.
Wer jetzt (wieder) das Interesse an Wissensmanagement bekommen hat, kann dank „Integrierte Wissensmanagement-Systeme" von Gerold Riempp ein bewährtes Erfolgsprinzip anwenden: „Think big, start pilot!".
Die Praxisorientierung war dabei sicherlich die geringere Herausforderung. Als langjähriger Berater und als Leiter des Kompetenzzentrums Customer Knowledge Management konnte er auf umfangreiches Know-how zu Praxisprojekten und existierenden Technologien zurückgreifen. So sind auch wichtige Kapitel seines Buches diesen Erfahrungen gewidmet. Der Leser erhält in Kapitel 6 einen umfangreichen Einblick in die Wissensmanagement-Aktivitäten von diversen Organisationen, u.a. von Pricewaterhouse Coopers und Winterthur, und lernt in Kapitel 3 führende Wissensmanagement-Technologien kennen, u.a. von IBM, Hyperwave, Opentext und Hummingbird.
Da Riempp zugleich aber auch diese Erfahrungen im Rahmen einer Habilitation aufbereitete, profitiert der wissenschaftlich Interessierte von der Systematisierung und auch der Praktiker erhält einen Rahmen für die Vielfalt der existierenden Projektansätze und Technologien. Kernstück seines Buches in diesem Sinne ist das Kapitel 4, das umfangreichste Kapitel des Buches. Hier stellt er sein Architekturkonzept vor, das ganz-heitlich und abgestimmt bzw. „integriert" jeweils die Dimensionen Strategie, Prozess und Technologie sowie Transaktion, Inhalte, Kollaboration, Kompetenz und Orientierung beleuchtet. Besonders reizvoll empfindet es der Autor dieser Rezension, dass Riempp in Kapitel 5 die integrierende Perspektive über das Einzelunternehmen hinaus erweitert. Hier zeichnen sich bereits am Horizont die Potenziale einer umfassend vernetzten Wissens- bzw. Kompetenzgesellschaft ab, der wir in den nächsten Jahren entgegen gehen werden. Der zweiten Auflage wünscht man eine weitergehende Vertiefung dieser spannenden Perspektive.
Und damit komme ich last, but not least zu einem zentralen Aspekt von Riempps Buch. Es ist nicht nur ein gelungenes Buch zu Projekten, Technologien und Architekturen im Wissensmanagement. Es ist vor allem ein weiterer wichtiger Baustein auf dem Weg zur Selbstbekehrung der Wissensmanagement-Community: Weg von der früheren Technik- und Dokumenten-Zentrierung hin zu einem ganzheitlichen Blick, der erkennt, dass wir ROIs und Wohlstand nicht durch fleißiges Dokumenten-Sammeln und Technik-Overkill schaffen, sondern durch eine bessere Vernetzung und Interaktion der Kompetenzträger in unseren Wertschöpfungsprozessen. Dieser Baustein ist daher seinen Wert wert.
Fazit: Sehr empfehlenswert - wenn doch nur alle Professoren ihre Aktivitäten derart praxisorientiert vermitteln könnten ...
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