An fast allen Büchern zum Thema Website-Konzeption und Usability haben mich immer zwei Dinge besonders gestört: Erstens das völlig oberflächliche Pseudo-Fachwissen, das entweder von Feld-, Wald- und Wiesendesigner aus bereits veröffentlichten Büchern zusammengesammelt und umformuliert wurde, oder mit Hilfe angeblich streng wissenschaftlichen aber komplett praxisfernen Untersuchungen durch den universitären Nachwuchs erlangt wurde. Und zweitens die wahlweise 8, 10, 12 oder 100 todsicheren Tips und Tricks nach dem Motto Konzeption, Webdesign oder Usability leicht gemacht, die sogar von gestandenen Persönlichkeiten der Szene erstellt werden.
Und nun halte ich endlich dieses Buch in der Hand! Es ist anders. Der Autor erhebt nicht den Anspruch, allwissend, Guru oder Star zu sein, sondern beleuchtet sowohl Vor- als auch Nachteile der von ihm selbst erstellten und der bereits etablierten Methoden für die Konzeption, die Gestaltung und das Testen von Websites und stellt sie in einen Bezug zur Praxis. Und genau das macht das Buch so nützlich, denn was gut und was weniger gut funktioniert, hängt stark von der Situation ab und lässt sich nicht in einer Liste mit Dos und Don'ts erfassen.
Beginnen tut das Buch mit einer sehr fundierten und ausführlich hergeleiteten Einführung in die Theorie der User Experience. Obwohl der Schreibstil sehr angenehm ist, scheint das zunächst ziemlich langatmig, je weiter man das Buch liest, desto deutlicher wird jedoch, wie nützlich es ist, auch einmal die etwas weiteren Zusammenhänge zu verstehen. Tendenziell wird hier eher zuviel als zuwenig Hintergundwissen geboten, bei den vielen Dünnbrettbohrer-Veröffentlichungen, die sonst zu diesem Thema erhältlich sind, ist dies jedoch eine sehr empfehlenswerte Ausnahme.