Der Türke Ali kam vor einigen Jahrzehnten aus einem anatolischen Dorf nach Deutschland. Inzwischen heiratete seine Tochter einen deutschen Arzt. Ali hat sich bisher eher von den Deutschen fern gehalten (sie sind ja auch allzu sonderlich), jetzt gehören sie zu seiner Sippe. Er muss sich mit ihnen befassen. Das tut er ausführlich in diesen Geschichten.
Auf köstliche Art setzt sich Ali mit dem deutsch-türkischen Miteinander und Gegeneinander auseinander. Es geht um Deutsch lernen, Vereinsmeierei und türkischen Stammtisch. Besonders aufmerksam registriert Ali das Verhältnis der Schwiegereltern zueinander.
Nicht alles ist "politisch korrekt". Da bieten sich Mörder für die Tochter an (S. 62) und die Deutschen denken gründlich, aber wenn sie nicht denken, gibt's Krieg (S. 114). Vieles trifft den Nagel auf den Kopf. Das Kapitel "Wie die Deutschen wieder verschwunden sind" (S. 155-161) war für mich der Höhepunkt. Gerade wenn's um die türkische Familie und ihre Beziehungen zur deutschen Bagage geht, wird Ali am zugreifendsten. Die essayistischen Einschübe wirken manchmal gedehnt. Viele nette Ideen - wie ein Verein ohne Beitrag - wurden mir zu sehr ausgewalzt (S. 132-134). Der Autor ist Kabarettist. Was portionsweise im Kabarett gut ankommt trägt nicht unbedingt ein 200-Seiten Buch. Daher: abschnittsweise lesen, dann wird's zum Lesevergnügen!