Scherzhaft gesagt: Bilanzen zeigen die Vermögenswerte eines Unternehmens, wenn die Mitarbeiter nach Hause gegangen sind und das Licht ausgeschaltet haben. Und selbst die verbleibenden Vermögenswerte wurden wahrscheinlich im Ansatz handels- und steuerrechtlich verfremdet. Produktionsanlagen und Finanzkapital allein spiegeln jedoch nicht das Know-how in den Köpfen der Mitarbeiter wider, welches diese abends mit in den Feierabend nehmen. Jürgen H. Daum zeigt, dass Geschäftsbeziehungen, strategische Ideen, Geschäftsprozesse und persönliche Networking-Fähigkeiten genauso zum Erfolgsausweis eines Unternehmens gehören wie Unternehmenskultur und Innovationspotenzial. Und mehr noch: Neue Produktivfaktoren verlangen neue Instrumente der zukunftsgerichteten, wertorientierten Unternehmenssteuerung. Der Ruf ergeht nach einem neuen Controlling für nicht-materielle Unternehmensressourcen, z.B. der persönlichen Wertschöpfung von marktspezifischem Wissen.
Die wachsende Lücke zwischen dem Marktwert eines Unternehmens und dem, was im Rechnungswesen ausgewiesen wird, zeigt, dass immer mehr Werttreiber durch die klassischen Management- und Bewertungsinstrumente (Bilanz / Gewinn-und-Verlust-Rechnung) nicht mehr erfasst werden können. Daraus folgt, dass Unternehmen allein auf der Basis dieser (vergangenheitsorientierten) Informationen nicht mehr steuerbar oder extern zu beurteilen sind.
Bereits seit einigen Jahren ist eine intensivere Auseinandersetzung darüber im Gang, wie diese nicht-materiellen Werttreiber behandelt werden sollten: im Rechnungswesen, im Controlling, in Management-Informationssystemen und in der externen Berichterstattung. Im angelsächsischen Sprachraum fallen Begriffe wie „Intellectual Capital" oder „Intangible Assets". Diese Diskussion erreicht mehr und mehr auch die deutsche Unternehmenswelt.
Jürgen Daum von der SAP AG entwickelt in diesem Buch auf der Basis der „neuen Werte" (Teil 1) weitreichende Controlling-Anforderungen, Controlling-Lösungen und Wertansätze für „das neue Unternehmen" (Teil 2) und „das neue Management" (Teil 3). Ein Epilog zu den volkswirtschaftlichen Implikationen der „Intangibles" rundet das Werk positiv ab. Auffallend ist das hervorragende Lektorat und das typographische Design des Buches.
Gäbe es einen sechsten Bewertungsstern, würde ich ihn vergeben für die Interviews mit fünf unangefochtenen Experten und Pionieren dieser neuen Rechnungswesen- und Controlling-Ansätze: Leif Edvinsson, David P. Norton, Baruch Lev, Ghislain Malcorps und Patrick Georges. Uneingeschränkte Kaufempfehlung für Manager, Wirtschaftsprüfer, Controller, Bilanzexperten, Finanzanalysten und institutionelle Anleger.