Es fällt mir wirklich schwer, dieses Buch zu bewerten. Das mag vielleicht daran liegen, dass ich nach dem umwerfenden ersten Teil der Trilogie einfach zu viel erwartet habe. Das Folgende ist also, wenn man so will, Meckern auf hohem Niveau. Auch diesmal fand ich Veronica Roths Schreibstil sehr angenehm, die Figuren sind interessant und zumindest der erste Teil des Romans ist spannend. Leider wurde, abgesehen von einigen Schießereien, die Action zum Großteil durch diverse 'Simulationen' erzeugt, die fand ich schon in 'Divergent' etwas übertrieben, und durch die Wiederholungen wurde es auch nicht besser.
Noch dazu haben sich aber im Laufe der Geschichte die Unklarheiten gehäuft, und irgendwann konnte ich mich kaum mehr auf die Handlung konzentrieren, weil mir fortwährend eine Frage im Kopf herumspukte: WARUM??
Die Dauntless wurden am Ende des ersten Bandes von den Erudite zu willenlosen Sklaven gemacht und unter der Simulation gezwungen, andere zu ermorden. Trotzdem schlägt sich ein Teil von ihnen auf die Seite der Erudite; wieso tun sie so etwas?
Weshalb macht sich in dieser Welt, in der Hinrichtungen in Form von Kopfschüssen Gang und Gäbe sind, gerade eine besonders kalte und gnadenlose Person die Mühe, jemanden mittels Giftinjektion zu töten? (SPOILERWARNUNG: Klar, damit es schiefgehen kann!
SPOILER ENDE.)
Wie kommt es, dass (ich versuche hier möglichst spoilerfrei zu schreiben) eine Person bereit ist, alles zu opfern und ihre Freunde im Stich zu lassen, nur weil jemand, dem sie eigentlich sonst nicht vertraut, vage andeutet, es gäbe ganz geheime und gewichtige Gründe, das zu tun? Und wenn diese Person schon von der Richtigkeit dieser Andeutungen überzeugt ist, warum versucht sie dann nicht, ihre Freunde alle einzuweihen?
Und so geht es weiter. Ich möchte hier nicht noch mehr aufzählen, weil ich nichts von der Handlung verraten will, aber irgendwann konnte die Autorin trotz ihres guten Erzählstils nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Geschichte viele Schwachstellen aufweist. Die größte Unklarheit ist übrigens (nachdem man sich das schon im ersten Band gefragt hat), was es denn nun eigentlich wirklich mit der 'Divergenz' auf sich hat und was genau die Erudite bezwecken. Dieses Rätsel wird erst ganz am Schluss ... nun, 'gelöst' kann man kaum sagen, weil das Ende noch viel mehr Fragen aufwirft, als es beantwortet. Überhaupt kam es mir ziemlich pompös vor und ich frage mich, wie die Autorin im nächsten Band die Geschichte fortführen will.
Fazit: Im Vergleich zu manchen anderen YA-novels ist 'Insurgent' immer noch gut und spannend. Aber gemessen an 'Divergent', das fünf Sterne und noch mehr verdient hätte, kann ich diesem Buch leider nur drei(einhalb) Sterne geben.