Vorab muss ich noch gestehen, dass ich mittlerweile ein großer Fan von Simon Kernick bin. Nachdem ich vor geraumer Zeit mit Begeisterung *Gnadenlos* und *Verdächtig* gelesen habe, viel mir nun *Instinkt* in die Hände und ich muss sagen, auch dieses Buch war wieder ein Genuß. Natürlich ist eine Rezension immer subjektiv, denn schließlich spiegelt sie die eigene Meinung wieder. Aber trotzdem werde ich mich um eine sachliche Darstellung bemühen, und um Euch mit entsprechenden Begründungen eine Hilfestellung bei der Entscheidung für oder gegen das Buch zu geben.
Simon Kernick ist ein Schriftsteller der umfangreiche Recherche betreibt, um genau zu wissen, worüber er schreibt. Besonders bei seinen Ausführungen über die Polizisten (Ihr Verhalten, die Dienstgrade usw.) und den gesamten englischen Polizeiapparat, merkt man schnell, dass er hier bestens im Bilde ist und nichts dem Zufall überläßt. Aber auch in London und Umgebung, in der seinen Geschichten spielen, kennt er sich bestens aus. Dieses geographische Darlegen der Szenerie impft er dem Leser spielend ein, denn auch die Leser, und es werden mit Sicherheit eine Menge sein, die noch nie in ihrem Leben in London waren, finden sich auf Anhieb in der Umgebung zurecht. Unterstützende Hilfe geben natürlich hierbei die Figuren, die ihm sehr gelungen sind. Sie haben Farbe, besitzen eine gewisse Vergangenheit und sind nicht übermenschlich. Die Story an sich ist natürlich, wie auch die Figuren, reine Fiction und ist in seinem Kopf entstanden.
In *Instinkt* läßt Kernick zwei Erzählstränge nebeneinander herlaufen, die sich im Laufe der Geschichte immer mehr aufeinander zu bewegen und sich schlussendlich auch zu einem großen Ganzen vereinen. Diese Art, zwei Storys nebeneinander laufen zu lassen, ist eine seiner Stärken, denn auch schon in *Gnadenlos* und *Verdächtig* folgte er diesem Schema. Komischerweise wird es nicht langweilig, diesen Aufbau der Story in jedem seiner Bücher zu lesen, denn die Stränge sind immer wieder aufs Neue mit einer Menge Spannung, Action und Tempo versehen. Der so erzeugte Spannungsbogen gleicht eigentlich eher einer Skischanze, die man vom Tisch aus nach oben hin ansieht, es geht steil hinauf. Dieses Level hält er auch durchgehend bis zum Ende, verwunderlich, aber ich habe keine langweiligen Passagen entdecken können.
Ein weiterer Pluspunkt, und für mich einer der wichtigsten für eine gelungene Story, ist die Art des Blickwinkels der Erzählstränge. Zum einen begleitet man die Hauptfigur (Sean Egan), in der *Ich* Perspektive hautnah durch die Geschichte. Man ist ständig am Ball, immer auf Höhe des Geschehens und wird nicht außen vor gelassen. Zum anderen, die Figur Tina Boyd, die in dem zweiten Strang den Hauptcharakter bildet. Dieser Part wird wiederum in der *dritten Person* geschildert. Die Kombination passt wie die berühmte Faust aufs Auge.
Meine Fazit, ein rundherum gelunges Buch, das dem Leser eine Menge Spaß und ein paar schöne und spannende Stunden bereiten wird.