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Pressenotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.07.2000
Der Autor, so Jakob Hessing, hat sich in diesem Buch eines der "heikelsten Themen der Holocaustforschung" vorgenommen, die Beteiligung der Judenräte an der Auslieferung der Juden an die Nazis. Die "Phantastik seiner Prosa"- der Autor hat auch zwei literarische Bände veröffentlicht, "Papirnik" und "Suche nach M" - , urteilt Hessing, wird hier die "Akribie des Quellenforschers" an die Seite gestellt. Besonders beschäftigt hat sich Rabinovici, der, gebürtig aus Tel Aviv, seit seiner Kindheit in Wien lebt, die österreichische Hauptstadt und Adolf Eichmanns Wirken in ihr. Hier hat die "erst später geplante `Endlösung` ihren Anfang" genommen. Und es ging leichter als jemals z.B. in Berlin, da hier der Antisemitismus schon längst zu einem "legitimen Versatzstück der Wiener Lokalpolitik" gemacht war. Zu welcher Antwort kommt nun Rabinovici in Bezug auf die erzwungene Kooperation der Judenräte in seinem "glänzend geschriebenen Buch"? Zunächst einmal, schreibt Hessing, hält er fest, "dass die hier konstruierte "Komplizenschaft" der Juden nicht nur das Werk, sondern auch die langfristige, noch in der Nachkriegszeit wirksame Strategie der Nazis war. Nicht nur der Zwang, an der eigenen Ermordung mitzutun, sondern vor allem der Dreh, dass die Opfer als Täter wahrnehmbar werden, war Teil der "moralischen Korruption" des Dritten Reichs. "Reinwaschen" will der Autor, meint Hessing, die Judenräte durchaus nicht. Nur findet er den Mangel auch an nachträglicher "Trauer oder Skrupel" erstaunlich, wie er beispielsweise beim Überlebenden Benjamin Murmelstein zu Tage tritt. Aber, so der Rezensent abschließend, hier ist nichts anzuklagen und daher auch nichts zu verteidigen.
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Pressestimmen
»Mit den Instanzen der Ohnmacht liegt eine Studie vor, die gemeinsam mit Arendts Eichmann-Buch zu den Grundlagentexten einer politischen Philosophie des zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhunderts gehört.«
(Micha Brumlik
Die Tageszeitung )
»Rabinovici ist nicht nur Historiker, sondern auch Schriftsteller und Essayist. [...] Der Phantastik seiner Prosa steht hier die Akribie des Quellenforschers gegenüber. Für den Leser ist es ein Glücksfall, daß er nicht nur die Fakten zu berichten weiß, sondern auch ihrer psychologischen Zwiespältigkeit einen literarischen Ausdruck gibt.«
(Jakob Hessing
Frankfurter Allgemeine Zeitung )
»Eines macht Rabinovici in seiner historischen und brillant geschriebenen Studie eindrücklich klar: Die Judenräte hatten keine Wahl. Sie waren verzweifelt bemüht zu helfen und bekamen dennoch täglich und demütigend die Grenzen ihrer Handlungsfähigkeit zu spüren. Sie waren ohnmächtig gegenüber einem zu allem entschlossenen Feind. Quälend genau schildert Rabinovici auch das existentielle Dilemma, in dem sich jeder einzelne jüdische Funktionär befand: Sein Buch ist gerade deswegen die längst überfällige Verteidigungs- und Rehabilitationsschrift.«
,
(Günther Fischer
Der Standard, Wien )