Die dritte Runde in den Abenteuern Inspektor Jurys wird hier eingeleutet und Martha Grimes wechselt auch in diesem Fall nicht ihre bewährte Formel.
Diesmal ist der Ort der Tat ein Wald in dem kleinen Städtchen Littlebourne, wo eine unbekannte Frau tot aufgefunden wird. Fast gleichzeitig wird in der U-Bahn-Station Wembley Knotts in London eine Teenagerin aus Littlebourne brutal niedergeschlagen und fällt ins Koma. Jury holt auch hier wieder seinen Freund Melrose Plant mit an Bord, der sich als möglicher adeliger Käufer eines Landhauses unter die Dorfbevölkerung mischt. Anscheinend hängt der Mord mit einem Juwelendiebstahl bei den Kenningtons vor einem Jahr zusammen. Jury ist mehr als beeindruckt von inzwischen zur Witwe gewordenen Lady Kennington und muß sich bald mit einem rätselhaften, gezeichneten Spielplan für ein Fantasy-Rollenspiel rumschlagen, der in dem Fall ein auslösendes Moment zu sein scheint.
Der Fall ist bunt und abwechslungsreich, der dem Leser hier geboten wird, aber allmählich leidet die Formel unter Abnützungserscheinung, vor allem bei der Autorin selbst.
Grimes bietet zwar wieder ein Panoptikum unterschiedlichster Charaktere (und damit Verdächtiger), doch inzwischen weicht der Realismusanstrich von "...spielt Domino" einer mehr satirischen, albernen Form der Figurenzeichnung.
Natürlich bietet die Dorfgemeinschaft Möglichkeiten für allerlei Schrulligkeiten, doch die passen nicht so gut zu dem relativ ernsten Fall der im Koma liegenden Katie O'Brien, welcher dem Leser und den Figuren einiges abverlangt. Dagegen stehen dann so hoffnungslos überzeichnete Figuren wie die Bodenheims, die Landadeligen dieses Romans, die schon fast Karikaturen zu nennen wären und die Krimiautorin Polly Praed, auf deren Werke Plant im Verlauf der Serie immer mal wieder zurückgreifen wird. Die sinnt hauptsächlich über Mordmethoden nach, verliebt sich sofort in Jury und zieht den Roman sonst aber nur unnötig in die Länge.
Auch hier steht wieder ein Kind im Mittelpunkt der Gefahr, wieder ein äußerst grüblerische, ernste Zehnjährige, die sämtliche Dorferwachsene natürlich hervorragend im Griff hat, was eigentlich nur zeigt, wie schwach die bisweilen geschrieben sind.
Der Täter wiederum ist diesmal gut getarnt, so daß man gerade auf ihn nicht so recht kommen mag, was aber selbst nachgelesen werden muß. Seine Identität sorgt aber dann für eine schlüssige und interessante Auflösung eines nicht geklärten Juwelenraubs, der durch den Zauber um die Fantasyrollenspielpläne nur unnötig verkompliziert wird, die aber immerhin einen interessanten Aha-Effekt nach sich ziehen. Bisweilen hilft hier der Zufall allerdings kräftig nach.
Im Zusammenhang mit den Rollenspielen kommt es auch zur ersten Begegnung mit dem anderen Ende der sozialen Leiter: der wunderbar ekligen Familie Cripps. Er Exhibitionist, sie körperlich ein (irgendwie nettes) Monstrum, dazu eine ganze Horde dreckiger, unerzogener und reichlich asozialer Kinder in einer mörderisch heruntergekommenen Wohnung - diese Szenen bleiben in Erinnerung und Grimes scheint die Familie so lieb gewonnen zu haben, daß er ihnen noch mehrfach Kurzauftritte in der Serie einräumte.
Interessant auch, daß Jury sich mal aus dem Stand zu Lady Kennington hingezogen fühlt, eine Zuneigung, die immer wieder aufgegriffen wird, ohne je einen richtigen Schritt weiterzukommen. Der erste richtige Griff in Jurys Gefühlsleben, die später noch vertieft werden sollten.
"...sucht den Kennington-Smaragd" ist sicherlich flott und unkompliziert zu lesen und er hat in der Schilderung eines Dorffestes (das natürlich in einem Mord endet) eine seiner atmosphärischsten Szenen, aber ihm fehlt die Geschlossenheit und Brillianz der Vorgänger. Trotzdem noch sehr gut.
Nächster Roman: "...küßt die Muse"