Auch im achten Inspektor-Jury-Roman führt Martha Grimes die leichten Experimente mit dem Schreibstil fort, der schon in den letzten beiden Büchern zu bemerken war.
In "...steht im Regen" geht es um zwei Morde an jungen Frauen, die mit ihrem Schal erdrosselt worden sind; zwei Fälle, die außer dem sehr ähnlichen Tathergang nichts miteinander zu tun zu haben scheinen, da sie Monate auseinander liegen. Die Spur führt zum Verlobten des einen Opfer und zu dessen sehr eng zusammenhaltender Familie, denn wieder scheint das Motiv tief in der Vergangenheit verwurzelt...
Wieder einmal ist es ein schmales Bändchen, das man in der Hand hält, denn Martha Grimes konzentriert sich auf das Wesentliche. Leider ist das Ergebnis genau gegensätzlich, denn selten waren die einzelnen Elemente des Buchs so wenig zusammenpassend.
Das Motiv erscheint nur einleuchtend, weil Jury ein guter Gedichtkenner ist, die Aufklärung auf detektivischem Weg nachzuvollziehen, gerät sehr vage. Ist aber das Motiv erst einmal überraschend auf der Bildfläche erschienen, bleibt nur die Raterei nach dem Mörder, für den diesmal nur drei Personen in Frage kommen.
Ansonsten kommen die Figuren aber alle irgendwie zu kurz: Jury wird diesmal sogar eine Freundin gegönnt, die aber so distanziert beschrieben wird, das sie sofort wieder verschwinden wird; Melrose nimmt zwar teil, hat aber für die Ermittlungen kaum Notwendiges zu leisten und Macalvies Mitwirken ist kaum der Rede wert.
Stattdessen wird viel Spielraum auch noch einzigen faszinierenden Idee geopfert: dem Besuch im Astrologieladen "Starrdust" im Zuge der Ermittlungen, die einzige Passage, die auch der Autorin Spaß gemacht zu haben scheint. Carol-Anne, Jurys Nachbarin nimmt ebenfalls wieder teil, sie wurde somit zum festen Bestandteil der (Rahmen-)Handlung.
Was wirklich irritiert, ist ein Handlungsfaden rund Pensionsbesitzerin in Brighton, die ihre berühmte Schwester zu Besuch hat - der mit dem Rest des Romans nichts zu tun zu haben scheint, bis die letzten Kapitel anbrechen.
Hier fügt sich dann alles überraschend zusammen, aber wieder scheint das alles überkonstruiert und wenig logisch entwickelt.
Die letzte Seite läßt den Leser dann ein wenig im Regen stehen, denn es kommt zu einem hastigen Abbruch, der kaum kaschieren kann, wie sehr hier einfach die Entlarvung des Mörders herausgezöget wurde.
Das gibt unter dem Strich einen mäßigen Roman, den man zwar brauchbar lesen kann, der aber unentschlossen zwischen altem und neuen Stil hin- und herschwankt. Dieses Buch bewältigt man eher, als das man es wie andere der Reihe genießt.
Nächster Roman: "...besucht alte Damen"