Nach dem sehr gewöhnungsbedürftig konstruierten sechsten Roman bietet "...Katz und Maus" wieder bekanntere Kost von Martha Grimes, die bewährte Methode scheint wieder der Ausgangspunkt zu sein, wenn der Roman auch gegen Ende hin wieder aus dem Ruder läuft.
Diesmal geht es um Todesfälle in dem kleinen Ort Ashdown Dean, zunächst unter den örtlichen Haustieren, dann unter den menschlichen Anwohnern, wobei nicht sicher ist, ob es sich um Unfällen oder geschickt fingierte Morde handelt. Nur allmählich hellt sich das Rätsel auf: es geht um die Vergangenheit einer Fünfzehnjährigen, die längst nicht mehr im Dunkel des Vergessens liegt...
Wieder einmal gibt es den üblichen Rätselstart mit einem Toten und damit verbunden die übliche Liste von Verdächtigen, die in so einem kleinen Ort nun mal auftauchen könnten. Da von Mord gar nicht sofort gesprochen werden kann, obliegt es wieder mal einer bekannten Nebenfigur, Jury und Melrose ins Spiel zu bringen. Dieser Auftritt gebührt der Krimi-Autorin Polly Praed, die schon in "...sucht den Kennington-Smaragd" mit von der Partie war.
Leider gibt das dem Roman nicht etwa Auftrieb, sondern führt nur zu ein paar langweiligen Passagen, denn weder ist diese Figur besonders interessant, noch tut sie irgendwas, was für die Handlung von Bedeutung wäre, außer Jury hinterherzuschmachten und Melrose damit auf die Palme zu bringen.
Für Rätselfreunde bietet die durchaus flüssige erste Hälfte nur Fragezeichen, bis der Fall erst in der zweiten Hälfte so richtig ins Rollen kommt. Im Zentrum steht dabei die Teenagerin Carrie, die für den Tierschutz im Dorf mit teilweise stoisch rabiaten Mitteln sorgt und deswegen den Zorn vieler auf sich zieht. Ihre Vergangenheit steht zunehmend im Mittelpunkt der Handlung, allerdings braucht man schon etwas Geduld, da das Fortkommen der Ermittlungen sprunghaft angelegt ist.
Es ist schon ein ernstes Thema was hier mitangeschnitten wird, aber leider bleibt das alles bruchstückhaft, da am Ende doch alles auf eine Mord-aus-Habgier-Pointe hinausläuft. Das Umfeld und das ganze Schicksal von Carrie sind ungewöhnlich unglücklich, doch leider erweckt der Charakter nie die Sympathie des Leser, denn so spröde und unzugänglich, wie sie sich gibt, bleibt sie über die größte Distanz. Eine Figur, die sich einem nicht erschließt, kann man so auch nicht mögen.
Im Gedächtnis dagegen bleibt eine neue Nebenfigur, eine Nachbarin von Jury, die umwerfend gebaute Carole-anne Palutski, die dessen Leben in An- und Abwesenheit ständig durcheinanderwirbelt. Hier hat sie einen hinreissenden Auftritt als "französische Gräfin" mit Jury im Schlepptau, die zwar nicht zwingend wichtig, aber äußerst locker und lustig zu lesen ist.
Verblüffend jedoch, welche Wendung ins Grimmig-Bittere der Roman auf seinen letzten Seiten nimmt. Was locker beginnt, endet in einem Höhepunkt, der so düster wie nur eben möglich erscheint.
Selbst die Autorin scheint die hoffnungslose Pointe so beeindruckt zu haben, daß sie den Roman auf diesem Höhepunkt enden läßt, ohne die Hauptfiguren ein Resumee ziehen zu lassen oder zu verdeutlichen, wie es weitergehen könnte. Auch im nächsten Buch wird nicht mehr groß darauf eingegangen, so daß man sich ein wenig im Regen stehengelassen fühlt.
Gerade weil das eigentlich nicht der Stil von Grimes ist, wirkt das letzte Drittel dann wie ein unliebsames Stiefkind, welches einen starken Kontrast zu den gängigen Stereotypen des Dorflebens aufweist.
Die Auflösung, wer nun eigentlich der Mörder ist, bleibt dabei skizzenhaft umrissen, als wäre das kaum von Bedeutung, ebenso wie so manche Ansätze stark versanden, wie das rätselhafte Tierlabor, daß zwar ständig erwähnt wird, aber außer als Kulisse keine Rolle spielt.
Was bleibt, ist ein merkwürdiges Zwischending aus Grimes Stärken und dem Versuch, eine neue Tonart anzuschlagen. Das ist nicht völlig mißlungen, aber überzeugen kann das Ergebnis auch nicht ganz. In der Reihe aber gut lesbar.
Nächster Roman: "...steht im Regen"