Er hat einfach kein Glück: wenn etwas auf Inspektor Richard Jury zutrifft, dann daß er einfach kein persönliches Glück finden kann. Schon einmal wurde ihm eine mögliche Liebe entrissen und hier ist es wieder der Fall: eine Bekanntschaft wächst zur Beziehung aus und Jury hat den Verlobungsring schon in der Tasche, als seine Freundin Jane Holdsworth tot aufgefunden wird. Mord oder Selbstmord, die Frage bleibt offen.
Der titelgebende Verdacht, der auf Jury lastet, ist dabei relativ zweitrangig; nie hat man das Gefühl, Jury hätte irgendwelche Probleme damit, denn die Familie der Toten rückt nach und nach in den Mittelpunkt. Spielort ist diesmal der Lake District, in dem Dichter wie Wordsworth sich verewigten. Wie es ausschaut, war Janes Tod der vierte einer Reihe von Unfällen und Selbstmorden, so daß es verdächtig erscheinen muß.
Grimes trennt in diesem Buch sehr sorgfältig die Charaktere voneinander. Nach einem Besuch Plants und Truebloods bei Vivian Rivington in Venedig gehört das erste Drittel Jury, abgesehen von der zweiten Hauptfigur, Janes Sohn Alex, der selbst den Mörder fassen will.
Das mittlere Drittel ist für Plant reserviert, der dem Leser ein ganzes Panoptikum von möglichen Verdächtigen auftut, von der Familie bis zu den Insassen und Verantwortlichen eines Altersruhesitzes, interessant und unterhaltsam aufgebaut. Die Lösung obliegt wieder Jury im letzten Drittel, welches sich jedoch durch immerwährende Drehungen und Wendungen hervortut, die immer wieder einen neuen Blickwinkel provozieren.
Das Ende kommt dann hochdramatisch und ziemlich verblüffend, vernachlässigt aber gerade seine Protagonisten, denen ein runderer Abschluß der Handlung und einer schlußendlichen Bewertung der Ereignisse für ihr eigenes Leben besser gestanden hätte, als ein Abbruch auf dem absoluten Höhepunkt. Dafür hat man es aber mit einem wirklich kniffligen Fall zu tun, der für einiges Nägelkauen sorgen wird. Noch ein wenig mehr Psychologie hätte dem Fall aber gut getan, vor allem, wenn zwei Psychiater wichtige Rollen spielen. Aber Grimes verliert sich da dann doch lieber wieder in traumdeuterischen Spielereien a la Hitchcock, anstatt ihre dauerhaften Figuren auszuleuchten.
Nicht die absolute Brillianz, aber ausgestattet mit vielen kleinen Finessen.
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