Dieser UK-Import enthält die zweiteilige Pilotfolge ("Gott schütze dieses Haus" auf Deutsch) und die ersten vier regluären Folgen (die Romane "Auf Ehre und Gewissen", "Keiner werfe den ersten Stein", "Denn bitter ist der Tod" und "Denn keiner ist ohne Schuld", was nicht genau, aber auch in etwa der Veröffentlichungsreihenfolge entspricht). Im Gegensatz zu den deutschen Fassungen hat man den Vorteil, dass die Staffel die Folgen in der richtigen Reihenfolge zeigt. Ansonsten ist die englische Orginalfassung in diesem Fall mal ausnahmsweise der deutschen Synchronisation nicht überlegen (die ich vor Jahren im ZDF gesehen habe). Speziell die Stimmen von Linley und Havers gefallen mir auf Deutsch in Klang und Artikulation fast besser und bieten - was sonst der Vorteil der englischen Fassung ist - in fast allen Belangen keinen schlechteren emotionalen Zugang zu den Figuren. Die Streitereien zwischen Linley und Havers hattn für mich auf Deutsch sogar mehr Power. Einzig eine immer wieder aufflackernde leicht subtile erotische Spannung zwischen den beiden kommt im Englischen mehr zum Tragen. Problematisch ist auch, dass beide recht nuscheln und der Ton etwas dumpf ist, so dass man sehr auf die - vorhandenen - englischen UT angewiesen ist.
Zur Qualität der Umsetzung der George-Romana: Wie viele andere finde ich sie im ganzen nicht so gelungen. Das liegt zunächst an den Veränderungen, die man an den Hauptfiguren vorgenommen hat. Havers zur zwar schlecht gelaunten, aber gut aussehenden Frau zu machen, kann ich noch hinnehmen, weil Sharon Small das auch gut spielt. Nathaniel Parkers ist aber so gar nicht Lord-like, dass die eigentliche Figur Linley in den Filmen quasi kaum vorkommt. Auch ist mir Parkers Ausstrahlung und Spiel zu naiv und treudoof. Grotesk ist, was man aus Lady Helen gemacht hat, nämlich eine Profilerin (wobei sie in dieser Staffel eigentlich nie als solche in Aktion tritt), ein weiterer Aspekt, der das Lord-Sein von Linley verschwinden lasst. Simon und Deborah St. James kommen kaum vor.
Auch hat man die Romane zu wenig an das Medium angepasst. Den Romanen wird ja zur Recht vorgeworfen, dass sie ein wenig aus der Zeit gefallen sind (wobei mir die hier verfilmten alle noch gefallen haben; nur die späteren nicht mehr). Die Amerikanerin (!) George schreibe so traditionell britisch, wie es kein Brite mehr tun würde. Das zeigt sich auch den oft eher biederen Hintergrundgeschichten der Morde und der Psychologie die Figuren. In den Romanen hat das noch einen gewissen Charme; in den Filmen wirkt es oft zu behäbig und bieder. Hier hätte man etwas aufpeppen müssen; da wäre mangelnde Werktreue gerechtfertigt gewesen.
So ist es im ganzen eine etwas biedere Krimikost, die gelegentlich etwas langweilt, aber z.T. auch durch die sympahtische Ausstrahlung mancher Akteure (v.a. Havers) gefällt, ihre gute handwerkliche Qualität und die an vielen Stellen schöne Photgraphie englischer Landschaften (letzteres hätte es fast auf vier Sterne gerettet, wozu ich mich dann aber doch nicht ganz durchringen konnte).