Der Unionsverlag bringt immer wieder Romane und Erzählungen heraus, die den Leser in völlig andere Welten führen. Hierzu gehören Geschichten aus Arabien (Machfus, Chraibi), Lateinamerika (Leon Sanchez) oder Südfrankreich (Izzo), das manchmal "fremder" zu sein scheint, als Mitteleuropäer es sich vorstellen können. Und dazu gehören die Romane von HRK Keating, dessen Ghote-Reihe den Leser nach Indien entführt.
Die Inspektor Ghote-Reihe wird bei Union mit dem Roman "... zerbricht ein Ei" begonnen. Ghote wird von Bombay in die Provinz geschickt, um den 15 Jahre zurückliegenden Tod der Frau des "chairman" der Region zu untersuchen. Hinter dem Auftrag steckt der Wunsch eines einflussreichen Politikers, einen Konkurrenten aus dem Weg zu räumen, egal wie. Ghote versucht, gegen den Widerstand des chairman (der tatsächlich etwas zu verbergen hat) die Ermittlungen durchzuführen. Trotz technischer (ihm steht vor Ort nur ein klappriges Fahrrad als Fahrzeug zur Verfügung, die Telefonverbindungen nach Bombay sind schlecht und unsicher), meteorologischer (Monsumzeit) und körperlicher (Schlafmangel, körperliche Angriffe durch Gondaas des chairman) Schwierigkeiten deckt Ghote schließlich alles auf. Dabei kommen ihm die alte Mutter des chairman und ein ehemaliger Pathologe glücklicherweise zur Hilfe.
Insgesamt ein sehr klug aufgebautes, spannendes Buch, das seine heiteren Seiten hat. Außerdem wird die traditionelle indische Gesellschaft, die geprägt ist vom Kastensystem, recht eindrücklich beschrieben, ohne aber die Korruptheit der Moderne außen vor zu lassen. Etwas störend sind manchmal die etwas eigentümlichen Dialoge, d.h. besonders die Gesprächsverläufe. Mehr als einmal muss Ghote "eine Niederlage eingestehen" und beendet ein Verhör viel zu schnell. Das scheint mir manchmal nicht ganz logisch zu sein.