Ohne die Romanvorlagen von Caroline Graham oder ihren Stil zu kennen, ist es vielleicht etwas gewagt, ein Urteil über die TV-Serie abzugeben. Folgt sie den Intentionen der Erfinderin oder ihren eigenen Regeln? Weiß nicht. Vielleicht ist es egal.
Angeregt von den im ZDF gesendeten Fällen, habe ich inzwischen 40 Episoden auf UK-Import-DVDs gesehen. Als Ding an sich betrachtet, hat diese Serie Potential für eine Fan-Gemeinde der eigenen Art, so ähnlich wie bei einer (gedachten) Gemeinde von Briefmarken- oder Orchideensammlern oder sonstiger Freaks, die - ohne sich zu kennen - dieselbe Liebe oder Hingabe an das Objekt ihrer Begeisterung teilen.
Zwar als Kriminalgeschichten angelegt, sind die Midsomer-Murder-Episoden kaum der Plausibilität verpflichtet, vielmehr sind es allesamt Satiren, in denen englische Dorfidyllen zerpflückt und (wohlanständige) Bürger auseinandergenommen werden, gemächlich und gemütlich, spöttisch, schrullig, skurril, bizarr und rabenschwarz. Die honorigsten Leute haben Dreck am Stecken, die frömmsten Bürger (manchmal inclusive Pfarrer) frönen der Sünde oder brechen das Gesetz. In jedem Dorf ist mindestens ein Brunnen vergiftet - metaphorisch gesprochen - und wird stets ohne Stress auf Seiten der Polizei trocken gelegt. Und der Fangemeinde, zu welcher ich mich zähle, macht das Ganze Mordsspaß. Den Schauspielern offenbar auch. Sie agieren durchweg in Bestform. Darunter sind zuweilen echte Größen wie Nigel Davenport (Episode 'Blue Herrings') oder Anna Massey (die in Hitchcocks 'Frenzy' die Krawattenleiche Babs gespielt hat).
Bedauerlich ist nur, dass die deutschen Titel teilweise recht bescheuert sind und Sinn oder Witz der Vorlage verfehlen.