Japan ist nicht gerade für seine gute Rock u. Heavy Metal-Szene bekannt. Und selbst wenn ich ganz scharf nachdenke, fallen mir nur eine Hand voll Bands ein, die mir nachhaltig in Erinnerung geblieben sind. Umso positiver bin ich allerdings vom japanischen Quintett ENVY überrascht, die mit ihrem neuen Longplayer "Insomniac doze" ein wahrhaft meisterliches Stück Musik vorgelegt haben.
Wohin die Reise auf den insgesamt 7 Songs geht, ist dem Hörer bereits nach wenigen Sekunden des tollen Openers "Further ahead of warp" klar. Im Stile von atmosphärischen Post-Harcore-Kapellen wie ISIS, JESU oder den göttlichen CULT OF LUNA schleppen sich ENVY durch ihren monumentalen Lava-Sound und beweisen hierbei ein außerordentlich feines Gespür für dramatisches Songwriting. Einfach wundervolle Songs wie "Crystallize" , "Night in winter" , "Shields of selflessness" und "Scene" überzeugen sowohl in Punkto Heaviness als auch in Variabilität. Denn neben der alles zermalmenden "Wall of sound" findet man immer wieder Momente, in denen man den Zuhörer mit wunderschön ruhigen Passagen verzücken kann. Hierbei schielt man dann - mit mehr als einem Auge - auf Acts wie MOGWAI oder AEREOGRAMME, die ja als Meister der Laut/Leise-Dynamics bekannt sind. Die Texte werden komplett in japanischer Sprache vorgetragen, wobei man origineller Weise dazu noch die englischen Lyrics im Booklet abgedruckt hat.
Höhepunkt dieses rund einstündigen Emotions-Feuerwerks sind vor allem der fantastische Long-Track "The unknown glow" sowie das sensationelle "A warm room", welche beim Hörer ein ums andere mal eine zentimeterdicke Gänsehaut erzeugen. Ich bin wirklich entzückt...
Warum ich doch nicht 5 Sterne verteile ? Nun, einige Songs auf "Insomniac doze" ähneln sich doch sehr. Und zum anderen schafft es der Sänger tatsächlich - neben einigen ruhigen Passagen - das gesamte Album in ein und derselben Tonlage zu "gröhlen", und dabei kurioserweise haargenau so zu klingen, wie der Sänger von AT THE GATES. Trotzdem ist diese Scheibe für mich eine der größten Überraschungen des Jahres 2006, und steckt die neue ISIS "In the absence of truth" mal eben locker in die Tasche. Eine Band größer als der Fujiyama. Zugreifen !!!