Savanna lebt mit ihrem Bruder Sam in einer geteilten Altbauwohnung und während Sam ein recht ausschweifendes Liebesleben hat und reihenweise Frauen das Herz bricht, ohne sich wirklich mal zu verlieben, lebt seine Schwester sehr zurückgezogen und pflegt kaum Kontakte zu anderen Menschen. Ihr einziges richtiges Bindeglied zum Leben (ihren Sohn Martin) hat sie verloren als er erst sechs Jahre alt war und sie lebt zwar in ihrer Vergangenheit mit ihm, kann aber darüber nicht reden und geht noch Jahre später jeglicher Konfrontation über seinen Tos aus dem Weg. Mit Männern hatte sie nie viel zu tun und auch eine Beziehung hatte sie mit ihren fast 36 Jahren noch nicht.
Ihr Leben lang hatte sie nur einen komaähnlichen Schlaf, ihren Sohn und ihre Arbeit. Um so härter trifft es sie, dass sie plötzlich nicht mehr schlafen kann - und den Grund nicht weiß. Ihr kleines Leben bricht auseinander und sie hat Angst, ohne zu wissen, vor wem eigentlich. Ein Erlebnis vor 24 Jahren holt sie ein und unter dem Deckmantel Vergessens des Unterbewußtseins wird ihre Erinnerung wieder erweckt. Immer tiefer rutschen auch ihre neugeknüpften Bekanntschaften in den Strudel des ominösen Email-Verfassers, der versucht sie einzuschüchtern und sie weiß nicht warum eigentlich, kann seine Beweggründe nur vermuten. Auf der Suche nach Hilfe verliebt sie sich, das erste Mal in ihrem Leben und findet Halt und Kraft, nicht nur ihre Vergangenheit zu ergründen, sondern auch in das Ableben der Frau Licht zu bringen, über die sie ihre Dissertation schreibt. Ein Strudel aus Gefühlen aller Richtungen erfasst sie, die sonst so beherrscht war.
Der Stil der Autorin ist teilweise ruppig, kurz und abgehackt. Es macht einem schwer, das Buch in einem Guß zu lesen und doch transportiert gerade dieses Stilmittel die Zerrissenheit und das oftmals nicht nachvollziehbare Innenleben der Protagonistin und macht es eben nachvollziehbar und greifbar. Der psychologische Hintergrund der Verdrängung von schlimmen Erlebnissen und Kindheitstraumata ist geschickt in den Roman eingearbeitet, ohne aufgesetzt und psychologisierend zu wirken. Der Roman ist spannend und interessant, wenn auch nicht ganz sooo leicht zu lesen und gibt Einblicke in Leben, die einem sonst (vielleicht zum Glück) verwehrt bleiben. Mißhandelte Frauen, Gewalt, Drohungen, Einsamkeit und Schlaflosigkeit - Themen unserer Zeit, die gut aufbereitet und dargestellt werden und den Leser ein wenig sprachlos und hilflos zurücklassen. Der Schluss ist für meine Begriffe ein wenig zu weichgespült und läßt zu wenige Fragen unbeantwortet, aber das unangenehme Gefühl, dass in vielen Leben sehr viel schief läuft und die Umwelt meistens tatenlos zusieht und dass es doch oftmals einen Weg nach Draußen zu geben vermag, der hallt nach. Desillusionierung und Hoffnungen knüpfen eng aneinander an und dieser Roman macht vieles transparent und verständlicher, zeigt Wege aus der Gewalt, Hoffnungslosigkeit und Phlegmatismus. Empfehlenswert, gerade weil kein uneingeschränkt idyllisches Weltbild gezeichnet wird!