Die Kritken zur Auftaktfolge waren reihum positiv. Alle sind von der neuen Maritim-Reihe begeistert. Leider kann ich mich dieser Meinung nicht ganz anschließen. Natürlich ist die Serie neu, spannend und nebenbei lernt man auch noch eine ganze Menge. Doch leider sind die eigentlichen Fälle viel zu nebensächlich. Trotzdem muss ich sagen, dass mir "33 Tage weißes Licht" schon wesentlich besser gefällt als "Die keusche Hure". Die Handlung hat deutlich mehr Schwung und auch der Fall selbst ist noch eine Spur spannender - auch wenn diese Folge vom Stil her stark an "Offenbarung 23" erinnert. Da holt della Vigna die Reporterin Gloria nach Rom, was sich als gar nicht ungefährlich herausstellt. Die Dame hat wichtige Informationen über den Tod des "33-Tage-Papstes", Johannes Paul I., bei sich. Im Hintergrund tüftelt derweilen Gegenspieler Kardinal Capani schon Pläne für die Endledigung des Sonderbeauftragten della Vignas, der durch seine Ermittlungen zum Störfaktor für den Kardinal geworden ist. Näher wird allerdings nicht auf diese Machenschaften eingegangen. Derweilen forscht der patente Pater im Vatikanarchiv nach weiteren Informationen zum mysteriösen Tod Johannes Paul I im Jahr 1978. Er wird auch fündig - und damit endet das Hörspiel auch schon wieder.
Bei diesem Ende saß ich fassungslos und mit offenem Mund auf dem Sofa. Was ist das denn für ein Ende? Da wird man mit diversen Informationen und Verschwörungstheorien gefüttert und neugierig gemacht und dann verhungert man am ausgestreckten Arm. Da wird überhaupt nicht näher auf die Folgen der Verschwörung oder genauen Geschehnisse eingegangen. Mir kommt es nach dem Hören dieser zweiten Folge mittlerweile vor, als ob die eigentliche Auflösung immer in die Zukunft verschoben wird. Getreu dem Motto: Irgendwann in der Zukunft wird die ganze schreckliche Wahrheit ans Licht kommen!Auch ist es sehr schade, dass die einzelnen Figuren noch nicht näher vorgestellt wurden. So wissen wir auch nach Folge zwei nichts Näheres über die Hauptfigur, Pater Sante della Vigna, oder den undurchsichtigen Kardinal Saviero Capani. Dieser Umstand lässt die einzelnen Charaktere leider etwas blass erscheinen. Dabei könnte man noch so viel aus den Figuren herausholen. Doch vielleicht wird das in den nächsten Folgen noch nachgeholt und ich greife hier vor ...
Was allerdings sehr gelungen ist, ist die Auswahl der Sprecher. Hier ist ausnahmslos eine hochkarätige Mannschaft am Start. Dietmar Wunder, die deutsche Stimme von Schauspieler Daniel Craig gibt einen guten Ermittler ab. Hinzu kommen Helmut Krauss, Florian Halm, Bernd Vollbrecht und Anke Reitzenstein. Besonders Bernd Vollbrecht als Kardinal Antonio Veldarez gefällt mir außerordentlich gut. Ihm nehme ich den Kirchenmann absolut ab. Melanie Fouché gibt die Enthüllungsjournalistin, die durch ihren Akzent zwar hart, aber durchaus sympathisch klingt. Zu Hören gibt es also nur das Beste.
Das setzt sich auch bei der Musik fort. Neben dem bombastischen Titelsong von "Nightwish" gibt es auch während des Hörspiels massig was auf die Ohren. Am Soundtrack gibt es absolut nichts auszusetzen. Die bombastische Musik - eine gute Mischung aus kirchlichem Chorgesang und rockigen Beats - hat Dampf und verleiht Szenen wie beispielsweise der Verfolgungsjagd noch mehr Spannung und Action.
Noch weiß ich leider nicht, in welche Richtung diese Serie eigentlich gehen möchte. Inhaltlich sind sehr gute Ansätze vorhanden, doch leider wird das Potential nicht ganz genutzt und die wirklich spannenden Aspekte immer nur angerissen. Von diesem Gesichtspunkt aus, kann die Hörspielserie eigentlich nur noch besser werden, während technisch hier eine saubere Vorstellung abgeliefert wird.