Eigentlich bin ich auf Chillout-Komponisten eher weniger euphorisch gestimmt. Nicht zuletzt, weil derartige Musik immer eine beruhigende statt belebende Wirkung auf einen haben soll. Doch Jon Hopkins hat als eher unkonventioneller Chillout-Komponist bewiesen, dass man mit elektronischer Musik wahre Kunstwerke schaffen kann. Nimmt man sich nämlich genug Zeit, sein Werk "Insides" vollständig durchzuspielen, stellt man fest, dass man hier eine waschechte Elektro-Scheibe hört und nicht "nur" eine Chillout-CD, die man während der Arbeit zum Entspannen einlegt. Dafür ist sie viel zu unruhig, viel zu aufregend.
Stimmt einen das Geigenspiel "The Wider Sun" noch entspannt, dürfte einem beim düsteren Intro von "Vessel" schon mulmich werden - bis man dann von harten Elektrobeats endgültig aus der Ruhe gerissen wird. Das Zusammenspiel von eben diesen Beats zu sanften Klavierschlägen funktioniert aber, ohne zu nerven. Starke Nerven braucht man dann allerdings beim Titeltrack "Insides". Brachiale Synthiedrums zereißen die Stille vollends und schaffen eine düstere Stimmung. Dieses Elektro-Konzert wird dann über die beiden folgenden Tracks "Wire" und das ebenso düstere "Colour Eye" konsequent durchgehalten. Dieses wilde Treiben wird dann aber jäh von dem epischen "Light Through The Veins" abgelöst, welches wohl derart schön erschien, dass Coldplay es gleich zwei mal in Ihrem Album "Viva La Vida" einbauten. Obwohl dieser geradezu minimalistische Track sich träge aufzubauen scheint, schafft er in seiner Gesamtheit eine wahrhaft ergreifende Atmosphäre, die nur noch vom sanften Klavierspiel am Ende des Tracks übertroffen wird. Gänsehaut-Garantie! Wie gut das Zusammenspiel von Elektrobeats und sanften Klavierklängen funktionieren kann, beweist "The Low Places" mit seiner durchweg düsteren, fast melancholischen Stimmung. Diese gipfelt in dem darauffolgenden Track "Small Memory", ein einfaches, aber nicht minder ergreifendes Pianostück. Um das elektronische Element nicht zu kurz kommen zu lassen, schließt sich "A Drifting Up" mit wuchtigen, aber stimmigen Elektrobeats an den Track an, wie immer begleitet von sanften Pianoklängen. Zum Abschluss stimmt einen "Autumn Hill" mit geradezu minimalistischer Grazie friedlich und entspannt, was mir nach dieser aufregenden Musikerfahrungen als ein gelungener Abschluss erscheint.
Meiner Meinung nach ist "Insides" ein Elektro-Album voller Überraschungen, abwechslungsreich und dennoch dem Genre treu, aber viel zu anspruchsvoll um als Chillout-Album geschimpft werden zu können. Wer etwa "Drukqs" von Aphex Twin wegen der ruhigen Tracks zwar beflügelt, aufgrund der desaströsen Elektropräsenz aber abgeschreckt wurde, der dürte an Jon Hopkins "Insides" seine wahre Freude haben.
Ich werte "Insides" jedenfalls mit meiner Meinung nach verdienten 5 Sternen, da es über sein Genre hinaus eine ergreifende Stimmung schafft.