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Insgesamt interessante Einblicke, 13. Februar 2011
"Meine Zeit bei der gefährlichsten Website der Welt": Auch nach Lektüre des Buches ist mir vollkommen unklar, wo dieser Untertitel herrührt. Denn wirklich gefährlich wird es nie bei "Inside WikiLeaks", vielmehr reiht Domscheit-Berg zahlreiche Anekdoten aus der Organisation aneinander - das jedoch auf interessante, spannende und gut lesbare Art und Weise. Was er erzählt, erzählt er sehr ausführlich; teilweise tragen diese Details tatsächlich zu einem besseren Verständnis bei, teilweise lassen sie einen auch nur irritiert zurück. Und manchmal wird man auch den Eindruck nicht los, dass dieses oder jenes Detail nur erwähnt wird, um Julian Assange in ein schlechtes Licht zu rücken. Vielerorts wurde im Vorfeld die angebliche Abrechnung mit Assange heraufbeschworen. Tatsächlich bemüht sich Domscheit-Berg durchaus um eine faire Darstellung; die Kränkung ist jedoch offensichtlich zu stark, um sie komplett auszublenden. Die Handlung verpackt er in recht lose thematisch strukturierte Kapitel, die der Chronologie nicht immer strikt folgen. Das ergibt für die Handlung durchaus Sinn, führt jedoch zu einigen Ungenauigkeiten und Inkonsistenzen, die sich wahrscheinlich alle erklären ließen - einen schlechten Eindruck hinterlassen sie trotzdem. Ebenfalls einen faden Beigeschmack verursacht die immer wieder durchklingende, ach so linksalternative und anarchistische Lebenseinstellung Domscheit-Bergs vor dem Hintergrund seines traditionell und kommerziell veröffentlichten Buches. Auch wenn er bedingt durch sein Engagement in den letzten zwei Jahren quasi nichts verdient hat und sein monetäres Interesse daher nur allzu verständlich erscheint - ginge es ihm wirklich um die Verbreitung der Geschichte, wäre das Buch auch frei im Netz. Bei aller Kritik bleibt "Inside Wikileaks" ein lesenswertes Buch. Wer den ganz großen Knaller erwartet, wird enttäuscht werden, alle anderen werden ihren Gefallen an den zahlreichen Details finden. Man kann sich auch ohne dieses Buch eine fundierte Meinung zu WikiLeaks bilden; der komplett neue Blickwinkel hilft jedoch definitiv, die Organisation besser zu verstehen.
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26 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
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Wikileaks, Freakworld oder Narrenhaus?, 15. Februar 2011
"Mein Zeit bei der gefährlichsten Website der Welt" ist Daniel Domscheit-Bergs Aufmachersatz auf dem Cover seines Enthüllungsromans. Das liest sich spannend und suggeriert ein Abtauchen in die dunkle Welt der Geheimnisse, einen Ausflug in das Reich der Mächtigen und ihren Informationen. Die Idee hinter Wikileaks ist eigentlich grandios. In der "neuen Welt" ist es kaum möglich Geheimnisse zu bewahren, so verrückt das auch klingen mag. Zuviele Menschen haben direkten Zugriff auf geheime Dossiers, Berichte, Akten, Unterlagen oder wie auch immer man sie nennen mag. Auch der schnöde E-Mail Verkehr gehört dazu. Die Veröffentlichung schafft Transparenz und bringt die wahren Hintergründe, Umstände, Verhältnisse etc. ans Licht. Information ist Macht. Wikileaks räumt damit auf, bzw. haben sich das auf ihre Fahnen geschrieben. Beim Lesen des Buches folgt aber schnell die Ernüchterung. Die Veröffentlichungen sind eigentlich nebensächlich. Es dreht sich hauptsächlich um die Beziehung Daniel Domscheid-Berg, genannt Schmitt(Der Deckname von D.D-B.) und Julian Assange. Überhaupt bekommt man beim Lesen des Buches das Gefühl, das viel von den in der Öffentlichkeit lancierten Klischees über Hacker und Computerfreaks, einfach nur richtig ist. Julian Assange, einer der besten Hacker der Neuzeit, hat immense Probleme im Bereich soziale Kompetenz, was das Arbeiten mit ihm mehr als mühsam macht. Daniel Domscheit-Berg ist Assange anfänglich fast hörig, fühlt sich wohl im Beisein des egozentrischen und scheinbar bindungsgestörten Assange, der neben sich nur wenig an Persönlichkeit akzeptiert und zulässt. Mit der Zeit ergeben sich im zunehmenden Maß Probleme, die eine Zusammenarbeit immer schwieriger machen. Interne Kritik wird laut. Wie in jedem "funktionierendem" Team wäre eine Aussprache ein probates Mittel um gegenzusteuern. Nicht so bei Wikileaks. Totschweigen, das "nichtakzeptieren wollen" von Problemen und das Ausgrenzen Andersdenkender durch den Entzug von Information, ist bei der Führungsspitze von WL an der Tagesordnung. Das Motto der "vollen Transparenz" trifft auf alles zu, aber nicht auf die Führungsspitze von WL. Assange und Co wächst die Geschichte einfach über den Kopf. Adäquate Problemlösungsstrategien für interne Schwierigkeiten gibt es nicht. Die eigene Überheblichkeit lässt die Fehleranalyse nicht zu. Es tut mir leid. Das liesst sich wie die Story ein paar pickeliger Teenager, die ein riesen Ding abziehen, aber sich im Streit um ein Steckerl-Eis so in die Wolle kriegen, das sie zuhause alles kurz und klein schlagen. Man kann eine Chance kaum fahrlässiger verspielen. Auf der Internet Seite des NDR(Redaktion ZAPP) ist ein 21minütiges Interview mit Domscheit-Berg zu finden. Kostenlos. Viel mehr erfährt man aus dem Buch auch nicht.
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19 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
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Macht macht korrupt, 10. Februar 2011
Für mich hat dieses Buch nichts mit Bild - Zeitungs - Niveau zu tun. Viel mehr liest es sich wie die Analyse eines Lebensabschnitts des ehemaligen Sprecher von WikiLeaks Daniel Domscheit - Berg, damals Daniel Schmitt. Besonders authentisch liest sich sein Buch, weil der Autor eben über einen wichtigen Zeitraum seines eigenen Lebens berichtet. Durchaus auch kritisch erzählt Domscheit - Berg zurückblickend. Sachlich referiert er über das Ziel der Organisation von 2007: "Die Macht zu kontrollieren." Ernüchternd schreibt der Autor heute über seine Zeit bei WikiLeaks: "dass Macht und Geheimhaltung schleichend korrumpieren." Chronologisch arbeitet der Autor seine Erlebnisse mit der Organisation ab und nimmt dabei den Leser mit hinter die Kulissen von WikiLeaks. Viel erzählt der Autor von seinem Ex - Chef Julian und davon, dass der gerade von denen die er bekämpft, so viel über Themen wie Geheimhaltung und juristische Tricksereien schnell gelernt hat. Dazu bringt Domscheit - Berg genügend Beispiele um seine Kritikpunkte an Assange und der Organisation zu untermauern. Etwas eigenartig stimmt es mich schon als ich dann lese, dass der Autor betont: "Heute, im Januar 2011, bin ich an dem gleichen Punkt wie ein Jahr zuvor, als wir WikiLeaks neu auf die Füße stellen wollten." Im Anhang des Buches findet sich eine Chronologie von WikiLeaks die am 4. Oktober 2006 beginnt und am 30. Dezember 2010 endet. Gelesen habe ich dieses Buch wie einen spannenden Thriller. Ein wenig ratlos macht mich beim Lesen und auch danach, dass ich nicht zu erkennen vermag wo die Wahrheit liegt. Eins scheint sicher zu sein: Macht macht korrupt!
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