Anhand überaus lesenswert geschriebener Geschichten bieten die Autoren in 'Steuerfahndung' einen abwechslungsreichen und interessanten Erfahrungsbericht über eine lange Zeit im Beruf des Steuerfahnders. Frank Wehrheim plaudert aus dem Nähkästchen und zeigt, dass hinter den Bürotüren der grauen Finanzbürokratie blitzgewiefte Menschen mit Hochdruck und oftmals viel detektivischem Spürsinn daran arbeiten, Steuersündern das Handwerk zu legen. Ans Licht der Welt kommen alle möglichen Betrügereien und Betrugsversuche einfallsreicher Bürger, die das Geld lieber im eigenen Geldbeutel sehen, als in den Händen eines (in ihren Augen) maßlosen Fiskus, der den Steuerzahler als Geldkuh betrachtet und ansonsten Geld im Unverstand verschleudert.
Ich lese aus diesen Seiten viel Sachverstand und Praxiserfahrung heraus. Von manchen Tricks der Steuerbetrüger aber auch der Steuerfahnder hatte ich schon gehört. Vieles aber las ich zum ersten Mal. Mehr als einmal habe ich über den manchmal skurrilen Kampf zwischen Finanzbehörden und Zahlungsmüden Steuerflüchtigen gestaunt. Manchmal wirkt das Katz-und-Maus-Spiel fast wie ein Räuber-und-Gendarm-Zeitvertreib zwischen Erwachsenen - oder wie soll man es anders beschreiben, wenn ängstliche Steuerbetrüger bei der Hausdurchsuchung noch schnell Seiten aus ihren Buchhaltungsbüchern aufessen, barfuß in den Garten flüchten oder wenn Menschen wegen ihrer großspurigen Prahlerei während einer Zugfahrt von einem Mitreisenden bei der Steuerfahndung angezeigt werden??? Nur zu oft aber wird auch deutlich, dass Steuertricks und Mauscheleien zu bitterernsten Konsequenzen führen können. Mal werden Steuersünder von ihren Ehefrauen verraten, die auf Rache sinnen, mal werden sie anonym angezeigt, mal liefern sie sich unfreiwillig selbst ans Messer, weil sie nicht in der Lage sind, ein absolut 'wasserdichtes Betrugskonstrukt' zu basteln, das den raffinierten Ermittlungsmethoden der Fahnder standhält.
Selbstverständlich zeigt dieses Buch etwas, was wir alle längst ahnen: Beim Arzt, dem Anwalt, dem Bänker, ja selbst beim Finanzbeamten bis hin zum Handwerker ist die Zahlungsmoral in allen Berufsgruppen eingeschränkt, die kriminelle Phantasie hingegen treibt energisch sonderbare Blüten aus. So verwenden beispielsweise Zahnärzte Zahngold dazu, um sich im wahrsten Wortsinne die Altersvorsorge mit einer Million Euro zu vergolden oder es wird versucht, Geldquellen durch abenteuerliche Rechenkünste unsichtbar zu machen.
Beim Blick in die Seelen von Steuersündern und auf die Tricks von Jagenden und Gejagten wird aber auch offenbar, was das ist: Ein Steuerfahnder. Etwas anderes nämlich als ein spießiger Bürokrat im grauen Anzug, etwas anderes aber auch als ein genialer Superheld mit Superverstand: einfach ein Mensch mit einer Menge Erfahrung, viel Fachwissen und Intuition, der oft genug im Bunde mit Kommissar Zufall ist. Es muss sie wohl geben, um das einzutreiben, was viele bauernschlau oder raffiniert in dieser Republik lieber in geheimen Bankschließfächern horten oder auf geheimen Schwarzgeldkonten im Ausland oder im Sparstrumpf der netten Tante lagern als es unserem Staat in die mal treuen, mal weniger treuen Hände zu geben: das liebe Geld.
Fazit: Diese Innensicht auf die Methoden der Steuerfahndung, gespickt mit vielen wahnsinnigen Storys über das geheimnisvolle Treiben von kleinen aber auch riesengroßen Fischen unter den Steuerbetrügern und ihren Jägern fand ich überaus interessant und lesenswert. Groteske, skurrile, traurige und mehr als einmal amüsante Geschichten ließen mich ganz schön staunen und mich mächtig wundern.