"Inselwissen" ist der Nachfolger der "Wasser kommt, Wasser geht" des Jahres 2007 der sympathischen Kapitäne. War "Wasser kommt..." meiner Meinung nach zwar ziemlich gut, aber dennoch einseitig und einfach irgendwie zu viel auf einmal, kann Inselwissen als logische Konsequenz gleich doppelt punkten. Gereift sind Captain Planet in den letzten zwei Jahren. Nicht nur das Songwriting ist ausgefeilter geworden, auch textlich und stimmlich hat sich einiges getan. Wenn ein Opener wie "Walbaby" sehnsüchtig wie nie eine Platte eröffnet, kann sie nur zu den Guten gehören. Und damit ist auch das Hauptmotiv der Platte genannt: Sehnsucht.
Sehnsucht nach Veränderung im neu beleuchteten Hier und Jetzt, in dem man zwischen den Versen merkt, dass im Leben doch nicht immer alles so rosig ist, wie manche es gerne hätten. Und das wird ohne weiteres auf den Punkt gebracht, ohne in irgendwelche Emo Klischees oder Depressionen zu verfallen. Irgendwo versprüht alles auf "Inselwissen" Hoffnung, Hoffnung die mit jedem Vers geschürt wird, sich an die gute alte Sehnsucht anschmiegt und zusammen mit Baby Melancholie den süchtig machenden Cocktail ergibt, den Captain Planet seit mehreren Jahren in den Kellern, Clubs und Kneipen der Republik verteilen. Auch ohne verdammte Happy Hour.
Captain Planet sind die würdigen Thronfolger Muff Potters, die deutsche Musik weiter interessant gestalten. Während sich viele deutsche Bands mittlerweile in kryptischen Lyrikgebilden ergötzen und dem Hörer doch irgendwie nur weiß machen wollen, wie doof er eigentlich ist, bleiben sie straight wie eh und je:
"Das Leben abgebaut, Stein für Stein. Probleme kleingeredet. Wann hast du dein Basislager aufgegeben?" (aus: "Der Rückbau")
"So nah an die Wand geschoben, dass Du die Nachbarn atmen hörst. Alles, nur nicht einsam fühlen." (aus: "Vom Fass in den Regen")
"Und heut hier oben ist das alles so klein. Heut hier oben ist's fast schön, so ganz allein." (aus: "Hans Dampf")
Und ich könnte noch immer weiter zitieren. Ich könnte 30 Minuten die wohl besten Verse zitieren, die seit Muff Potters "Gute Aussicht" (R.I.P.) in Deutschland geschrieben wurden. Ist man erstmal mit dieser Platte warm geworden, will man sie umarmen, bis sie zerbricht. Es ist DER Soundtrack zum Joggen, zum Aufstehen, zum Duschen, zum Bier trinken, zum betrunken nach Hause gehen, zum Leben. Der Soundtrack "für jetzt, für gleich, für alle Zeit."
Danke, Captain Planet.