Um es vorneweg zu sagen: ich finde, es ist der bisher beste Krimi aus der Reihe Schielins Fälle. Wer den Bodensee nicht kennt, sollte auf Reiseführer verzichten und Soedhers Krimis lesen - er führt an die magischen Orte, beschreibt Landschaften, Stimmungen und Charaktere in einzigartiger Weise. Inselwächter beginnt mit der Geschichte dreier unterschiedlicher Menschen und Situationen: ein greiser, einsamer, ehemaliger Lehrer beginnt seine Tage schon vor der Morgendämmerung hoch über den Dächern der Lindauer Insel (in einem Giebeltürmchen am Hafen), um die Morgen zu empfangen; ein Mann, der wohl einen Schlaganfall hatte, nutzt nach seiner teilweisen Gesundung jede Möglichkeit, um früh bei Sonnenaufgang mit dem Kajak auf dem See zu sein - und letztendlich führt Soedher zu einer morgendlichen Jagdszene, bei der zwei Männer durch den Wald bei Tettnang ächzen; eine Wildsau ist erlegt. Das Gespräch, welches die beiden nach der Jagd führen, erläutert auf beklemmend ralistische und nachvollziehbare Weise, wie staatliche Bauaufträge vergeben werden können. Aus diesen drei Stimmungen und Situation führt Soedher zu der Leiche einer Frau, die (vom Kajakfahrer) im Segelhafen aufgefunden wird. Und von dort leitet er zu den drei Kollegen der Getöteten - Psychologen, Psychotherapeuten - die mit ihr über die berufliche Zukunft reden wollten. Soedher führt die unterschiedlichen Fäden langsam zueinander und die Schilderung der Vernehmungen sind fesselnde Höhepunkte. Was hat der Lehrer in der Morgendämmerung drunten im Hafen gesehen, und was haben die zwei Jäger mit der Toten im Hafen zu schaffen? Diesmal wird schon sehr früh - im Unterschied zu den Vorgängerkrimis - auf den/die möglichen Täter hingedeutet, was ich als ungemein spannend empfand. Ach ja: Gommi macht eine Hundeschule mit Hundle und Wenzel steht diesmal etwas im Vordergrund. Ein herrlicher, spannender Kriminalroman, dessen wundervolle Sprache zeigt, wie intensiv und abwechslungsreich erzählt werden kann.