Das Buch ist in Form eines Wissenschaftsromans verfasst und stellt im Wesentlichen die Gründungsgeschichte des Santa-Fe-Instituts (welches seine Arbeit zunächst in einem angemieteten ehemaligen Kloster aufnahm) dar, welches sich der Erforschung komplexer Systeme gewidmet hat. Man erfährt eine ganze Menge über das Leben der Hauptbeteiligten, wie ihr Werdegang war, auf wen sie wann und wo getroffen sind, welchen sonstigen Einflüssen sie unterlagen, über ihren Lebensstil und ihre Hobbys etc.
Besonders interessant fand ich die Abschnitte über John H. Holland, in denen erläutert wird, wie er zu den Komplexen Adaptiven Systemen, den genetischen Algorithmen und dem Schema-Theorem kam, und was das alles mit Adaption, Emergenz, Konkurrenz, Kooperation und Evolution zu tun hat. Verblüffend war für mich, wie ähnlich seine Evolutionsvorstellungen zu der Merschs in
Evolution, Zivilisation und Verschwendung: Über den Ursprung von Allem sind. Allerdings scheinen seine genetischen Algorithmen und insbesondere auch sein Schema-Theorem - anders als Merschs Systemische Evolutionstheorie - von einheitlichen Reproduktionsinteressen bei allen beteiligten Akteuren auszugehen: eine für Evolution vermutlich zu einschränkende Bedingung.
Der ewige Streit darüber, ob nun
Konkurrenz oder
Kooperation die Basis der Evolution seien, wird von Holland kurz und bündig wie folgt entschieden (231f.): "Konkurrenz und Kooperation scheinen Gegensätze zu sein, aber im tiefsten Grund sind sie zwei Seiten dergleichen Medaille."
Populationsgenetiker und Evolutionsbiologen setzen häufig den Begriff der Fitness mit dem relativen Fortpflanzungserfolg gleich. Aufschlussreich war für mich, dass man diesen Weg bei den genetischen Algorithmen nicht gegangen ist bzw. auch nicht gehen kann, sondern ihn - wie noch bei Darwin - mit der Anpassung an den Lebensraum gleichsetzt (S. 214):
"Zweitens, sagte Holland, überprüfe man jedes einzelne Chromosom an dem zu bearbeitenden Problem, indem man es als Computerprogramm laufen lasse und ihm dann einen Wert zuschreibe, der angebe, wie gut es sich bewährt habe. Biologisch gesehen bestimme dieser Wert, wie tauglich das Lebewesen und wie hoch damit die Wahrscheinlichkeit für erfolgreiche Fortpflanzung sei. Je tauglicher, um so besser die Aussichten, vom genetischen Algorithmus ausgelesen zu werden und die Gene an die nächste Generation weitergeben zu dürfen."
Was die theoretischen Erkenntnisse der Komplexitätsforschung angeht, bleibt das Buch - aufgrund seiner Romanform - sehr weit an der Oberfläche. Etwas mehr in die Tiefe geht in der Hinsicht z. B. Stuart Kauffman (in Deutsch:
Der Öltropfen im Wasser, sonst in Englisch).