Dies war mein erstes Buch von Emilie Richards und aufgrund der wenigen Rezensionen wusste ich kaum, worauf ich mich eigentlich genau einlasse. Die Bezeichnung "Strandlektüre" kann manchmal auch so viel bedeuten, wie wenn man ein Essen mit "interessant" bezeichnet. Strandlektüre = oberflächlich, niveaulos, billig, anspruchslos?? Naja, vielleicht nicht immer und unbedingt, aber ich war nur vorsichtig optimistisch. Vom Titel her dachte ich eher so in Pilcher-Richtung, aber auch nur vage. Soweit meine Abwägungen, mein Hin und Her, meine Vermutungen und Überlegungen vorweg.
Nun endlich zur Geschichte. Tracy findet sich als gescheiterte Luxuslady auf einer Insel vor Florida wieder, wo ihr ein kleines Stückchen Bauland und ein paar abbruchreife Wohnhäuser gehören. Sie steht vor den Trümmern ihres Lebens und muss nun selber eine dieser Bruchbuden beziehen. Sie hat kein Geld und kassiert erstmal von ihren Mietern die fällige Miete. Doch damit fängt das Drama schon an.
Emilie Richards ist hier ein wunderbares Buch gelungen. Zum einen ist es ein von der ersten bis zur letzten Seite wirklich spannender und logisch aufgebauter Krimi. Hinzu kommt eine zarte, nicht zu aufdringliche Lovestory, die das Buch aber nicht dominiert. Dann könnte man es als Schicksals- oder auch Frauenroman bezeichnen, in dem eine Frau wie die Hauptakteurin Tracy in eine tiefe Krise gerät und sich daraus wieder befreit.
Aber ich finde, dass dieses Buch viel mehr ist. Auf der Insel vor Florida leben seit Jahren mehrere gescheiterte Frauen, die sich - aus unterschiedlichen Gründen mehr oder weniger resigniert - zurückgezogen haben und jetzt völlig isoliert vor sich hin leben. Da passt Tracy perfekt dazu. Auch sie will mit niemandem Kontakt haben. Vermutlich, weil sie glaubt, sowieso nicht lange zu bleiben. Außerdem sind die anderen Frauen unter ihrem Niveau, zumindest unter ihrem bisherigen. Nur einem besonderen Umstand (ich will nicht zu viel verraten) ist es zu verdanken, dass sich die Frauen doch langsam näher kommen. Was nun folgt, sind wunderschöne, detaillierte Charakterstudien. Der Annäherungsprozess der Frauen findet nicht so hoppla-hopp statt und ist etwa auf den ersten Seiten des Buches schon beendet, sondern wird auf wunderbar zarte und sanfte Weise beschrieben und zieht sich nahezu durch das ganze Buch. Er enthält Zwischentöne, Rückschläge und Fortschritte, gibt Gelegenheit zum Mitleiden, Mitfreuen, Mittrauern, Mitsorgen und vollzieht sich auf eine so einfühlsame und feine Art - das muss man erstmal können. Hier punktet die Autorin mit ihrem Wissen aus dem Studium der Familienpsychologie. Ganz toll gemacht. Ich habe wirklich jede Seite genossen.
Fazit: Doppelt und dreifacher Kauftipp !! Ein richtig gutes Buch mit Tiefgang.
Viele Grüsse.