Wer Patricia Shaw kennt, der weiß, dass sie weder einen herausragenden Schreibstil noch ein besonders feinfühliges Händchen fürs Zwischenmenschliche hat. Vor allem die Übersetzung ins Deutsche ist meist lustlos und oft auch mies. Viel anders ist das auch bei diesem Roman nicht. Er zeigt jedoch eine Eigenschaft, die P. Shaw bisher selten in diesem Maße bewiesen hat: Mitgefühl.
Im Mittelpunkt stehen diesmal nämlich die armen Schweine, die in die Mühlen des Gesetzes geraten sind und ihr rechtloses, menschenunwürdiges Dasein als Sträflinge fristen. Shaw packt die Thematik der Zwangsarbeit aus sehr subjektiver, persönlicher Sicht auf, denn ihre Hauptpersonen sind die Leidtragenden. Meist spielen ja doch eher die Retter die tragende Rolle, selten die Opfer, und wenn doch, dann in der Regel im feministischem Sinne, was manchmal doch etwas lästig fällt, weil das Thema ziemlich abgenutzt ist. Hier jedoch nehmen ganz alltägliche Männer die Hauptrollen ein, die einfach versuchen, aus ihrem dreckigen Dasein das Beste zu machen und ihre Würde zu bewahren, während auf sie gespuckt wird. Meiner Meinung nach ist es Patricia Shaw ganz großartig gelungen, sich in diese bedauernswerten Kerle hineinzuversetzen. Ohne Sentimentalität, aber doch berührend, ganz so, als sei sie selbst dabei gewesen. Damit verknüpft wird nebenbei noch ein Blick in die Abgründe der vermeintlichen guten Gesellschaft geworfen. Geradezu erschütternd lapidar hat sie es eingefangen, wie gute Menschen unter dem Stiefel eines unbarmherzigen Rechtssystems zertreten werden, während die wahren Verbrecher hinter einer gelackten Fassade ihr Leben genießen. Ergreifend nah an der Realität!
Dass es Patricia Shaw offenbar nicht gelungen ist, die Herzen ihrer Leser für diesen ebenso historischen wie menschlichen Aspekt zu öffnen, beweisen die wenigen, durchweg schlechten Kritiken. Ihr leichter Stil verträgt sich wohl nicht so gut mit einer ernsteren Thematik. Die, die ihre Bücher lesen, setzen offenbar eher auf anspruchslose Gute-Laune-Unterhaltung ohne emotionalen Belastungsfaktor.
Das finde ich unheimlich schade. Mich persönlich hat die Geschichte trotz ihrer qualitativen Mängel und des eher oberflächlichen Stils zu Tränen gerührt. Vor allem das Ende war wundervoll, mag man auch argumentieren können, dass es nicht sehr glaubwürdig ist. Doch warum eigentlich nicht? Wäre doch schön, wenn tatsächlich mehr Menschen einen so ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit hätten ...