Eine räselhafte Mordserie, bei der anscheinend wahllos Menschen in verschiedenen amerikanischen Bundesstaaten getötet werden, beschäftigt die Polizei, zumal der Zusammenhang erst spät erkannt wird und jedes Dezernat zunächst sein eigenes Süppchen kocht. In einer zweiten Geschichte schildert Phil die Entführung seines Sohnes, der beim Kindergeburtstag in der Nachbarschaft mit der Gastgeberin zusammen spurlos verschwindet.
Einen "Champion unter den neuen Krimi-Autoren" nennt der Klappentext den Autor, das männliche Pendant zu Minette Walters", einen "Geheimtip", dem mit diesem Buch "der große internationale Durchbruch gelungen" ist.
Das Exemplar, das ich gelesen habe, ist 1996 in Deutschland erschienen, und ich würde den Verfasser des Klappentextes gern fragen, was von seiner übertriebenen Eloge heute übrig ist.
Die ersten 150-200 Seiten lesen sich spannend. Der Autor springt zwischen den verschiedenen Erzählsträngen umher, die sinnlosen Morde, Rückblick auf Phils studentische Vergangenheit in den wilden 70ern, polizeiliche Ermittlungsarbeit und die Entführung von Phils Sohn David.
Um zur Ruhe zu kommen, fährt Phil auf eine Insel zu seinem ehemaligen Studienfreund Sam, der mit andern Leuten zusammen dort in einer Gemeinschaft lebt. Ab hier wird aus dem Nebeneinander der verschiedenen Erzählstränge, die ja irgendwo in einer gemeinsamen Geschichte münden müssen, eine chaotische Verwicklung. Vier oder fünf Polizeidienststellen und Mordderzernate bemühen sich um Aufklärung; die Gemeinschaft auf der Insel entpuppt sich als Sekte, deren Bibel die Lyrik Blakes ist und deren oberster Guru Sam sich an die Stelle Jesu in der Erlösung setzt - wie dumm dürfen fiktive Figuren eigentlich sein?
Phils bis dahin recht glaubhafte Reaktionen auf den Verlust seines Sohnes werden zunehmend unglaubwürdiger, und die neu hinzukommenden Figuren tragen eher zur Verwirrung als zur Bereicherung bei. Auch zeigt sich hier wiederum, dass eine Vermischung von Ich- und Personaler Erzählform nur wirklichen Könnern gelingt, zu denen dieser Autor nicht gezählt werden kann, denn beide Stränge kollidieren miteinander und werfen die Chronologie der Ereignisse durcheinander.
Wie kommt ein Rezensent, der auch auf dem Klappentext zitiert ist, auf die seltsame Idee, diesen Roman als "ein nahezu perfektes Buch" zu beschreiben? Was auch immer ein perfektes Buch sein mag, das vorliegende ist es sicher nicht.