Kurzbeschreibung
Sexy, rasant, fesselnd! Ein traumhaftes Angebot: Nicola soll als Ärztin mit ihrem Verlobten nach Indonesien gehen. Aber der Traum vom gemeinsamen exotischen Abenteuer platzt jäh, als Nicolas Verlobter ihr öffentlich den Laufpaß gibt. Schockiert und ohne eine Erklärung für sein Verhalten, beschließt sie, ihr Glück allein im fernen Osten zu versuchen. Doch in Jakarta folgt ein böses Erwachen. Das Land steht vor dem Umsturz, und Nicola sieht sich als Opfer eines raffinierten Betrugs ...
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
"Dadong und ich fuhren an einem Februarmorgen in aller Frühe nach Bandung ab, als gerade die Lautsprecher in der ganzen Stadt zum Gebet riefen. Die tremolierende Stimme klang wie die orientalische Version eines Tarzan-Schreis aus den Johnny-Weissmuller-Filmen. Diesmal verließen wir die Stadt in östlicher Richtung, und die Fabriklagerhäuser, die stinkenden, von Slums gesäumten Kanäle und die schmuddeligen Läden wurden schon bald von einer phantastisch grünen, üppigen Landschaft abgelöst. Blaue Hügel waren von bestellten Terrassen durchschnitten, dichter Wald bedeckte die niedrigeren Hänge, und kräftige Palmen streckten ihre Wedel aus, um einander sanft zu streicheln. Ich erspähte einen Vogel mit unglaublich langen gelben und weißen Schwanzfedern, die wie die Schleppe eines prunkvollen Brautkleids aussahen. Die Straße wand sich unaufhaltsam in die Höhe, die Hügel rückten enger zusammen, und der Himmel wurde strahlend blau. Es knackte mir plötzlich in den Ohren. Kühle Nebelschwaden wehten über Bergzacken und dicht bewachsene Niederungen. Ab und an unterhielten wir uns miteinander, aber es machte mich allein schon glücklich, die rein körperlich spürbare Erhabenheit unserer Umgebung in mich aufzunehmen. Nachdem wir ungefähr drei Stunden gefahren waren, zeigte Dadong auf ein paar eigentümliche schiefergraue Hügel zu unserer Linken. 'Das sind Vulkane', sagte er. 'Und dieser dort mit der unebenen Spitze heißt Tangkuban Prahu. Das bedeutet Umgekipptes Boot.' ..."
Auszug aus Insel der Lügen von Gill Paul, Elfi Schneidenbach. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Dadong und ich fuhren an einem Februarmorgen in aller Frühe nach Bandung ab,
als gerade die Lautsprecher in der ganzen Stadt zum Gebet riefen. Die tremolierende Stimme
klang wie die orientalische Version eines Tarzan-Schreis aus den Johnny-Weissmuller-
Filmen. Diesmal verließen wir die Stadt in östlicher Richtung, und die Fabriklagerhäuser, die
stinkenden, von Slums gesäumten Kanäle und die schmuddeligen Läden wurden schon bald
von einer phantastisch grünen, üppigen Landschaft abgelöst. Blaue Hügel waren von
bestellten Terrassen durchschnitten, dichter Wald bedeckte die niedrigeren Hänge, und
kräftige Palmen streckten ihre Wedel aus, um einander sanft zu streicheln. Ich erspähte einen
Vogel mit unglaublich langen gelben und weißen Schwanzfedern, die wie die Schleppe eines
prunkvollen Brautkleids aussahen. Die Straße wand sich unaufhaltsam in die Höhe, die Hügel
rückten enger zusammen, und der Himmel wurde strahlend blau. Es knackte mir plötzlich in
den Ohren. Kühle Nebelschwaden wehten über Bergzacken und dicht bewachsene
Niederungen. Ab und an unterhielten wir uns miteinander, aber es machte mich allein schon
glücklich, die rein körperlich spürbare Erhabenheit unserer Umgebung in mich aufzunehmen.
Nachdem wir ungefähr drei Stunden gefahren waren, zeigte Dadong auf ein paar
eigentümliche schiefergraue Hügel zu unserer Linken. »Das sind Vulkane«, sagte er. »Und
dieser dort mit der unebenen Spitze heißt Tangkuban Prahu. Das bedeutet >Umgekipptes
Boot<. Willst du die Geschichte hören?« Ich lächelte zustimmend. »Man erzählt sich, daß ein
Prinz viele Jahre auf Wanderschaft gewesen war, und als er dann wieder heimkehrte, verliebte
er sich in eine wunderschöne Frau. Diese bemerkte schon bald, daß er ihr verloren geglaubter
Sohn war, und wußte nicht, wie sie es ihm sagen sollte, aber ihr war klar, daß sie die Affäre
beenden mußte. Deshalb stellte sie ihm eine Aufgabe. Er sollte innerhalb einer Nacht einen
Damm und ein großes Boot bauen, und wenn er vor Sonnenaufgang damit fertig wäre, würde
sie einwilligen, ihn zu heiraten. In den frühen Morgenstunden hatte es den Anschein, daß er es
schaffen könnte, und so rief die Mutter die Götter an, die Morgendämmerung zeitiger
einsetzen zu lassen. Die ersten Sonnenstrahlen zeigten sich am Himmel, und die Hähne
begannen zu krähen, bevor er letzte Hand an sein Boot legen konnte, und als er merkte, daß er
die Bewährungsprobe nicht bestehen würde, stieß er vor Wut das Boot um.« Ich lachte.
»Wieso sind die Menschen eigentlich nie fähig, in ihren Beziehungen gleich von Anfang an
ehrlich miteinander umzugehen? Sie hätte es ihm doch einfach sagen können.« »Aber dann
hätte es keine Geschichte gegeben. Wenn man sich zu Beginn jeder Beziehung hinsetzt und
überlegt, aus welchen Gründen es möglicherweise nicht klappen könnte, und alle
Widrigkeiten auflistet, dann beraubt man sich der Freude herauszufinden, was aus der
Geschichte wird.«
als gerade die Lautsprecher in der ganzen Stadt zum Gebet riefen. Die tremolierende Stimme
klang wie die orientalische Version eines Tarzan-Schreis aus den Johnny-Weissmuller-
Filmen. Diesmal verließen wir die Stadt in östlicher Richtung, und die Fabriklagerhäuser, die
stinkenden, von Slums gesäumten Kanäle und die schmuddeligen Läden wurden schon bald
von einer phantastisch grünen, üppigen Landschaft abgelöst. Blaue Hügel waren von
bestellten Terrassen durchschnitten, dichter Wald bedeckte die niedrigeren Hänge, und
kräftige Palmen streckten ihre Wedel aus, um einander sanft zu streicheln. Ich erspähte einen
Vogel mit unglaublich langen gelben und weißen Schwanzfedern, die wie die Schleppe eines
prunkvollen Brautkleids aussahen. Die Straße wand sich unaufhaltsam in die Höhe, die Hügel
rückten enger zusammen, und der Himmel wurde strahlend blau. Es knackte mir plötzlich in
den Ohren. Kühle Nebelschwaden wehten über Bergzacken und dicht bewachsene
Niederungen. Ab und an unterhielten wir uns miteinander, aber es machte mich allein schon
glücklich, die rein körperlich spürbare Erhabenheit unserer Umgebung in mich aufzunehmen.
Nachdem wir ungefähr drei Stunden gefahren waren, zeigte Dadong auf ein paar
eigentümliche schiefergraue Hügel zu unserer Linken. »Das sind Vulkane«, sagte er. »Und
dieser dort mit der unebenen Spitze heißt Tangkuban Prahu. Das bedeutet >Umgekipptes
Boot<. Willst du die Geschichte hören?« Ich lächelte zustimmend. »Man erzählt sich, daß ein
Prinz viele Jahre auf Wanderschaft gewesen war, und als er dann wieder heimkehrte, verliebte
er sich in eine wunderschöne Frau. Diese bemerkte schon bald, daß er ihr verloren geglaubter
Sohn war, und wußte nicht, wie sie es ihm sagen sollte, aber ihr war klar, daß sie die Affäre
beenden mußte. Deshalb stellte sie ihm eine Aufgabe. Er sollte innerhalb einer Nacht einen
Damm und ein großes Boot bauen, und wenn er vor Sonnenaufgang damit fertig wäre, würde
sie einwilligen, ihn zu heiraten. In den frühen Morgenstunden hatte es den Anschein, daß er es
schaffen könnte, und so rief die Mutter die Götter an, die Morgendämmerung zeitiger
einsetzen zu lassen. Die ersten Sonnenstrahlen zeigten sich am Himmel, und die Hähne
begannen zu krähen, bevor er letzte Hand an sein Boot legen konnte, und als er merkte, daß er
die Bewährungsprobe nicht bestehen würde, stieß er vor Wut das Boot um.« Ich lachte.
»Wieso sind die Menschen eigentlich nie fähig, in ihren Beziehungen gleich von Anfang an
ehrlich miteinander umzugehen? Sie hätte es ihm doch einfach sagen können.« »Aber dann
hätte es keine Geschichte gegeben. Wenn man sich zu Beginn jeder Beziehung hinsetzt und
überlegt, aus welchen Gründen es möglicherweise nicht klappen könnte, und alle
Widrigkeiten auflistet, dann beraubt man sich der Freude herauszufinden, was aus der
Geschichte wird.«