Um 1750, so Arno Schmidt, bestand die Bibliothek des Durchschnittsbürgers im Wesentlichen aus zwei Büchern: Der Bibel und der Insel Felsenburg. Die Reclam-Ausgabe umfaßt etwa 40% des Originaltextes, grammatisch und orthographisch bearbeitet (was nicht nur Gutes heißt: Oft ist es eine Veränderung von Sprachphantasie zu Berichtsstil). Schnabels Monumentalwerk schildert eine Inselstaat, den Schiffbrüchige Seefahrer errichtet haben. Dieser ist perfekt und glücklich - also langweilig. Alles ist auf den Stammvater Albert ausgerichtet. Spannend ist das Buch hauptsächlich wegen der Berichte der Neuankömmlinge: die Insel Felsenburg dient als Hort für alle, die aus den verschiedensten Gründen ihre Heimat verlassen haben. 16 solcher Schicksale aus den verschiedenen Staaten Europas, samt Berichte über exotische Erlebnisse auf Schiffsfahrten, enthält diese Ausgabe, und man ist erstaunt über die Vielseitigkeit des Verfassers: Während Albert höchst keusch ist und die ersten drei Nächte nach der Hochzeit betend verbringt, erzählt der Ankömmling Wolffgang detailliert von seinen amorösen Abenteuern. Überhaupt ist das Buch ein großartiges Sittengemälde der damaligen Zeit, mit vielen Verweisen auf historische Gegebenheiten, ob nun aus der Sicht eines holländischen Kaufmanns oder eines preußischen Soldaten. Ein Buch, prallvoll mit Leben, das sich auch heute noch flüssig und mit großem Vergnügen liest. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)