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Die Insel 34, die Annette Pehnts neuem Roman den Titel gibt, ist auf der Landkarte im Erdkundeunterricht zunächst nur "ein kleiner Vogeldreck im zerkratzten Blau", drei Fingerbreit entfernt vom Festland. Staunend erlebt der Leser, wie sich der blinde Fleck in den Sehnsuchtsort einer jungen Frau verwandelt, die mit unbeirrbarem Willen ihr Ziel verfolgt. "Ich mußte schließlich bei Nacht und Nebel aufbrechen. Wenn ich gewartet hätte, bis alle mir ihren Segen erteilt und verstanden hätten, was ich dort wollte, säße ich jetzt noch in meinem Büro und läse brüchige Zeitschriften." Pehnt erzählt in lakonischem, oft ironisch gebrochenem Ton vom Wachsen einer großen Leidenschaft, jedes Wort sitzt. Es ist zugleich die Geschichte des Erwachsenwerdens, des Abnabelns von der fürsorglichen Belagerung der Eltern, vom ersten Geliebten, der doch -- im Gegensatz zur geheimnisvollen Insel, über die wir immer mehr wissen möchten -- eigentümlich konturenlos bleibt.
Die namenlose Icherzählerin, so scheint es, ist eine Schwester im Geiste von Dorst, dem scheuen Protagonisten aus Pehnts gefeiertem Roman-Erstling Ich muß los. Bewies Pehnt dort schon ein Faible für Underdogs und skurrile Gestalten, lässt ihr Spiel mit der Inselutopie -- nicht erst seit Schnabels Insel Felsenburg oder Gullivers Reisen ein klassisches Motiv der Literaturgeschichte -- reichlich Raum für weit ausgeprägtere Bizarrerien: Der Forscherdrang ihrer inselhoppenden Heldin macht weder vor Sackpfeifenwettbewerben noch vor den Balzritualen knorriger Torfstecher oder dem Ordnen von Sondermüll halt. "Der Müll will versorgt sein", weiß Deponieleiter Wiesent, also landet schlussendlich auch der defekte Laptop dort, ein "umfangreicher, bedeutungsloser" Aufsatz wird die Heimat nie erreichen.
Pehnts Heldin, die sich wohltuend von manch tatenarmen, gedankenvollen Pop-Stubenhockern abhebt, sind wir nach den kanpp 190 Seiten des Romans näher gekommen -- ihr Geheimnis hat sie nicht preisgegeben. Und die Insel? Sie bleibt der Spiegel der Frau, die von ihr träumt. --Niklas Feldtkamp -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Die fünf Sterne sind wegen der Eigenwilligkeit der Erzählung verdient. Sowas findet man nicht alle Tage.
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