Weder die vierunddreißig Inseln noch Annette Pehnts junge Protagonistin haben Namen. Die Inseln sind durchnummeriert, und die entfernteste von ihnen, „Insel 34", titelgebend für Annette Pehnts zweites Buch, erweckt im jungen Mädchen eine Sehnsucht und Leidenschaft, die sie bisher, hochbegabt in allen Fächern, nicht kannte. Unbeirrbar die Erforschung dieser Insel und der Dialektik der Inselbewohner vor Augen, vernachlässigt sie alle störenden Schulgegenstände, vergräbt sich in Büchern und Bibliotheken, hat zwar ein paar soziale Kontakte, aber nicht einmal Zanka kann sie auf dem Festland halten. Endlich wird „es [...] Zeit, auf die Inseln zu fahren", und sie landet auf Insel 28 bei eigentümlichen Inselbewohnern, deren Herz nur für Sackpfeifen schlägt. Die Icherzählerin möchte in diese Gemeinschaft integriert werden, lernt, dem schwierigen Musikinstrument ohrenbetäubende Töne zu entlocken und bleibt dennoch außen vor. Auch auf der nächsten Station, Insel 32, lassen die Archäologen die junge Inselforscherin nicht wirklich in ihre Mitte. Schließlich gelangt sie auf Insel 33, eine Mülldeponie, kommt dort, wo Müll getrennt, sortiert und geordnet wird, zur Ruhe und sieht bei Ebbe, dass die benachbarte Insel 34, ihr Ziel, zu Fuß erreichbar wäre, wenn sie es denn wollte.
Annette Pehnts Sprache ist einfach gehalten, doch so bildreich, dass die Fantasie der Leser unentwegt angeregt wird. Die Namen der Menschen, denen die Protagonistin im Laufe ihrer Reise begegnet, sind ungewöhnlich: Zanka, Lerke, Nessel, Professor Losten, Tesen, Dilse, Jote, ... Sie und die detailgetreue Wiedergabe der Nässe, trostlosen Farben, Bodenbeschaffenheiten der Inseln und kafkaesken Eigenheiten ihrer Bewohner geben dem realistisch gehaltenen Roman Elemente einer Parabel: Der Weg ist das Ziel - ein Motto, das nicht nur Inselforscher schon immer vorwärts getrieben hat.
2002 erhielt Annette Pehnt beim Ingeborg Bachmann Wettbewerb den Preis der Jury für einen Auszug aus „Insel 34". Zu Recht.