Ich habe mir das Buch bestellt, weil mich das Thema "Partnersuche im Internet" generell interessiert und ich das Thema mal aus der Sichtweise einer Frau präsentiert bekommen wollte.
Für das Geld kriegt man auch ein relative dickes Buch. Der Inhalt konnte mich aber leider nicht zu mehr als einem kurzen Querlesen motivieren. Zum Vergleich: "Millions of Women Are Waiting To Meet You", habe ich fast ganz gelesen, obwohl das auch nicht gerade ein gutes Buch ist. "Millions ..." ist von einem Mann geschrieben, der es vor allem dazu nutzt, groß mit seinen Frauenabenteuern zu prahlen. OK, das ist also die männliche Psyche, kommen wir jetzt zur weiblichen. Die ist nämlich GANZ anders!
Judith Alwin bereitet das Thema ganz anders auf. Die 42 Jahre alte, attratkvie Moderatorin hat relativ enge Vorstellungen, wen sie kennenlernen möchte. Der Mann soll tendenziell älter (und reicher ups!) als sie sein, aber dann auch wieder nicht zu alt sein und muss über 1.82m groß sein, denn die Ästhetik darf bei ihr dann auch wieder nicht zu kurz kommen.
Ich finde es durchaus in Ordnung, dass sie sich Kriterien setzt. Jeder muss selbst wissen, wie eng oder breit er seine Suchkriterien setzt, und dann auch mit den Konsequenzen Leben, dass dann nämlich mehr oder weniger Partner überhaupt noch in Frage kommen. Was ich so langweilig an dem Buch finde, ist, dass sie die meiste Zeit damit verbringt, darzustellen, dass sie vor allem unpassende Zuschriften kriegt und endlos an ihnen herummäkelt, anstatt sie schlicht zu ignorieren und zu schreiben, welche Zuschriften wirklich interessant waren und wie sich das dann entwickelt.
Ihr müsst euch das so vorstellen: Im Netz sind 2 Millionen Männer angemeldet. Sie bekommt aufgrund ihres guten Aussehens Zuschriften von einem größeren Teil davon und sie hat sich in den Kopf gesetzt, aber auch wirklich jeder von einem Mann noch so schnell abgefassten Nachricht ihre eigene, pointierte, lang durchdachte Kritik hinterherzuschicken - und das auf 347 Seiten. Zum Glück sind ihre Antworten nicht zu lang, sonst wäre das Buch sehr dick geworden, das kann ich euch sagen. Das muss ein Vollzeitjob gewesen sein, auf jede noch so abwegige Nachricht im Netz zu antworten und sie bis ins Detail auszudiskutieren und sich jedesmal von neuem darüber aufzuregen, dass der reiche, leicht ältere, 1.82 Mann sich immer noch nicht gemeldet hat. ... (kopfschüttel)
Es gibt zum Beispiel ein eigenes Kapitel, in dem sie alle Zuschriften von altersmäßig unpassenden Männern aufzählt. Dabei empfindet sie einen 39 Jährigen als hoffnungslosen Grünschnabel und einen 51 Jährigen als uralten Greis und regt sich in ihren Antworten entsprechend überzogen darüber auf. Selbst bei sinnlosen Nachrichten wie "1 ... 2 ... test" spürt sie ein großes Bedürfnis, eine Antwort hinterherzuschicken. In diesem Fall schreibt sie "ich suche einen Mann, der bis drei zählen kann". Das ist noch die lustigste Stelle, die mir beim Querlesen aufgefallen ist.
Was steckt also hinter "Ins Netz gegangen"? Ich würde sagen, eine Oberlehrerin, die sich die sinnlose Aufgaben in den Kopf gesetzt hat, jedem Mann ihre Kritik zu schicken, der online nicht nach den von ihr als sinnvoll empfundenen Regeln spielt (und das sind fast alle Männer). Dabei ist sie als Oberlehrerin auf ihre Weise genauso nervig wie der Prahlemann von "Millions ...".