Der reißerische Titel wird dem Buch nicht gerecht. Es ist nämlich keine Anleitung, wie man es fertig bringt, ins Glück zu stolpern, sondern es erklärt anhand aller Ergebnisse der empirischen Psychologie zu Thema, warum der Mensch so unfähig ist, sein Glück zu finden, obwohl doch all sein Handeln unter der Annahme geschieht, es werde ihm zu ebensolchem Glück verhelfen. D.h. der Mensch handelt aufgrund von "Motiven" - das sind innere Vorstellungen, kleine Filmchen, die im Geiste ablaufen, wenn der Betreffende sich eine Vorstellung zu machen sucht, welches Ergebnis seine Handlungen zeitigen könnten. Dabei, so der Autor Daniel Gilbert, verfälsche er seine so erstellten "Vorhersagen" der Ergebnisse seines eigenen Handelns. Denn zum ersten sei die Vergangenheit nur ein weichgespültes Klischee - Erlebnisse, die uns zum damaligen Zeitpunkt gar nicht berührt haben, erscheinen uns in unserer geistigen Rekonstruktion als eine wunderbare Zeit; schlimme Zeiten wiederum, die uns zum damaligen Zeitpunkt alles abverlangten, werden zu Phasen intensiven Lebens verklärt. Zum zweiten sei unsere Prognose des Zukünftigen aber auch sytematisch verzerrt durch unseren Jetzt-Zustand: Wer mit hungrigem Magen einkaufen geht, muss Tage später Ungegessenes im Müll entsorgen. Wer wohl gesättigt den Supermarkt betritt, verlässt ihn mit ein Paar Äpfeln und einer Gemüsegurke unter dem Arm - und hungert ein paar Stunden später.
Ähnliches behauptet seit Jahrtausenden auch die buddhistische Psychologie: Wir handeln aufgrund von Vorstellungen, die auf vergangenen Erfahrungen beruhen, eingespannt in geistige Scheuklappen, welche die meisten Aspekte der Realität ausblenden, statt uns im Hier und Jetzt auf unsere aktuelle, unvernebelte, Wahrnehmung zu verlassen und mit unseren wahren, weil aktuellen, Bedürfnissen & Fähigkeiten in Kontakt zu sein. Es ist faszinierend mitzuerleben, wie jetzt auch die empirische Psychologie mit ihren Experimenten hinter die Wahrheit der "Vier Edlen Wahrheiten" kommt!
Zum Schluss sei der geneigte Käufer noch gewarnt: Zwar ist das Buch - von einem Professor der Psychologie in Harvard nicht anders zu erwarten - inhaltlich durch und durch seriös und auf dem höchsten Stand der Forschung. Andererseits hat es doch einen sehr anstrengenden Humor, den ich als "verwahrlosten Sarkasmus" bezeichnen würde, und der mir gelegentlich für die Tragweite der Erkenntnisse zu plump erschien.